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Der König der Löwen, Special, WSV

"In jedem von uns steckt ein König" - Das vollständige Interview mit Boise Holmes

Seit knapp einem Jahr spielt Boise Holmes im Hamburger Disney-Musical "Der König der Löwen" die Rolle des Mufasa. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der spektakulären Show sprachen wir mit dem Amerikaner exklusiv über die Tücken der deutschen Sprache, peinliche Momente und den König in jedem von uns.
07.12.2011 10:05 Uhr -
WIDESCREEN

Können Sie den Moment beschreiben, in dem Sie das erste Mal in Hamburg auf der Bühne standen?

Da ist für mich ein Traum wahr geworden. Vor circa zehn Jahren habe ich mir Der König der Löwen das erste Mal mit meiner Familie am Broadway angeschaut. Als ich damals Mufasa gesehen habe, habe ich gesagt:
Mufasa-Darsteller Boise Holmes
Mufasa-Darsteller Boise Holmes
"Eines Tages werde ich diese Rolle spielen." Und hier stehe ich jetzt, zehn Jahre später, und denke darüber nach, was für einen weiten Weg ich gekommen bin und wie lange es her ist, dass ich diesen Satz gesagt habe. Es war eine fantastische Erfahrung, das erste Mal auf der Bühne zu stehen und zu wissen, dass sich gerade ein Traum erfüllt. Und das auch noch in einem anderen Land. Das lag jenseits dessen, was ich mir für meine Zukunft ausgemalt hatte, denn ich hatte immer gedacht, ich würde entweder in New York spielen oder auf Tour unterwegs sein. Aber die Show in einer anderen Sprache zu spielen, mit einem großartigen Ensemble von Leuten mit verschiedensten kulturellen Hintergründen, mit einer fantastischen Besetzung und Crew, das war einfach ein Segen. Gerade anfangs war es überwältigend. Ich bin dankbar, dass dieser Traum Wirklichkeit geworden ist.

Haben Sie Deutsch gelernt, um die Rolle zu spielen? Wie schwer fällt es Ihnen, auf Deutsch zu singen?
Deutsch zu singen war eine große Herausforderung, aber mir wurde ein Trainer zur Seite gestellt und wir haben hart zusammen gearbeitet. Das ist alles eine Frage der Wiederholung. Je öfter man etwas wiederholt, desto eher prägt es sich ein. Ich hatte die CD und das Buch zum Musical und meinen Lehrer, der mir jeden Tag geholfen hat. Ich denke, je mehr Aufmerksamkeit man einer Sache schenkt, desto mehr verinnerlicht man sie. Ich habe mich ganz der deutschen Sprache und der Rolle zugewandt und nach einiger Zeit ist das alles ein Teil von mir geworden. Deutsch zu lernen war aber eine große Herausforderung und ich habe etwa zwei bis drei Monate gebraucht, bis ich vollständig vorbereitet war.

War es anfangs schwierig, in Hamburg beziehungsweise allgemein in Deutschland heimisch zu werden?
Im Moment bin ich eigentlich das zweite Mal hier, nur dieses Mal als Teil der Erstbesetzung. An das Flair von Hamburg habe ich mich also schon ein wenig gewöhnt. Ich musste mich nur darauf einstellen, meine Rolle in Vollzeit zu spielen und jeden Abend auf der Bühne zu stehen. Das waren die größeren Umstellungen, weil es doch etwas anderes ist, als wenn man als Zweitbesetzung engagiert ist. Das Wichtigste ist, in einen gewissen Rhythmus zu kommen, wenn man achtmal die Woche Mufasa spielt.

Als Der König der Löwen 1994 ins Kino kam, waren Sie etwa 15 oder 16 Jahre alt. Haben Sie den Film damals gesehen? Und falls ja: Was waren Ihre ersten Gedanken?
Ich kann mich erinnern, dass ich den Film in meiner Jugend gesehen habe. Der König der Löwen ist wirklich ein Klassiker. Die Musik ist so spirituell erhebend, bewegend und kraftvoll – eigentlich alles, was in dieser Musik steckt,
Mufasa
Mufasa
ist unglaublich ausdrucksstark. Der Film nimmt einen speziellen Platz in meinem Herzen ein, weil er Parallelen zu meinen persönlichen Anschauungen aufweist. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, hat es mir die Sprache verschlagen. Außerdem liebe ich als Schauspieler die Stimme von James Earl Jones. Auch er hat mich beeindruckt. Ich dachte: "Wer ist das? Was ist das für eine Stimme?" Ich war damals natürlich noch viel jünger, aber ich konnte die Atmosphäre und die Energie, die von diesem Film ausgingen, spüren. Jeder kann in Der König der Löwen etwas finden, mit dem er sich identifizieren kann. Der Film weckt in jedem Menschen die Kreativität. Er bietet für jeden etwas und weckt den Giganten, den König in jedem von uns. Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, hatte ich das Gefühl, dass etwas in mir zum Leben erweckt worden war. Mit dieser Geschichte über Herrschaft und Regentschaft, über den Sieg des Guten über das Böse, können wir alle etwas anfangen.

Jetzt spielen Sie eine Rolle in einem der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. Was war die größte Herausforderung für Sie, als Sie diese Rolle übernommen haben?
Die größte Herausforderung war wahrscheinlich, sich mit der Umstellung auf die Puppenkostüme anzufreunden. Das schiere Gewicht der Kostüme verlangt, dass man physisch wirklich fit ist, um die Show achtmal
WIDESCREEN
die Woche spielen zu können. Man muss erst einmal einen gewissen Rhythmus finden. Das fängt bei den Essgewohnheiten ein, betrifft aber auch den Sport und die mentale Vorbereitung auf die Show. Diesen Rhythmus zu finden war anfangs die größte Herausforderung. Man will schließlich jeden Abend eine perfekte Show abliefern und für die Menschen, die da draußen sitzen und träumen, 100 Prozent geben. Da meine Muttersprache Englisch ist, war es außerdem eine große Herausforderung zu lernen, was ich überhaupt sage, an welchen Stellen ich meine Sätze zu sagen habe und wie ich meine Figur in der jeweiligen Szene darstellen soll. Die Wortstellung und die Phrasierung des Deutschen unterscheiden sich schon sehr vom Englischen.

Sind Sie vor Beginn der Shows immer noch nervös?
Ich würde nicht sagen, dass ich nervös bin, zumindest nicht im Vorfeld einer Show. Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass wir vor vollem
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Haus spielen. Wenn man seinen Rhythmus gefunden hat, kommt es hauptsächlich darauf an, bei jeder Szene vorsichtig zu sein, insbesondere wenn es um die Technik und Derartiges geht. Während der Show passiert vieles gleichzeitig und man muss hellwach und konzentriert sein. Zu Beginn der Show stehe ich beispielsweise auf einem Felsen. Da genügt ein kleiner Schritt und ich falle hinab. Mittlerweile mache ich das alles aber mit der nötigen Ruhe.

Haben Sie schon einmal einen peinlichen Moment auf der Bühne erlebt?
Oh ja. Es ist schon einmal vorgekommen, dass ich den deutschen Text in einer Szene vergessen hatte. Das war ziemlich beängstigend, weil ich natürlich nicht Englisch sprechen durfte. Damals war ich, abgesehen von meinen Texten in der Show, noch nicht mit der deutschen Sprache vertraut, ich wusste mir also wirklich nicht mehr zu helfen. Ich hatte ein totales Blackout. Also habe ich einfach angefangen zu knurren wie ein Löwe, um mich über die Zeit zu retten. Das wareiner der Momente, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Viele Schauspieler ziehen bei ihrer Rollenwahl Abwechslung vor. Sie spielen dieselbe Rolle beinahe jeden Tag. Haben Sie keine Angst, dass das irgendwann langweilig wird?
Nein. Ich denke, dadurch, dass wir die Möglichkeit haben, ein so gewaltiges Spektakel jeden Abend einem anderen Publikum vorzustellen, bleibt das Ganze immer interessant und neu. Ich weiß es zu schätzen, die Show jedes Mal von Neuem für Menschen zu spielen, die ich noch nie zuvor gesehen habe und von denen ich nie weiß, ob ich sie im Leben jemals wiedertreffen werde. An der Präsentation dieser Show mitwirken zu können treibt mich immer wieder an. Wenn ich im Publikum nur eine einzige Person sehe, die erwartungsvoll auf der Stuhlkante sitzt, die weint oder in irgendeiner Form gerührt ist, hebt das den ganzen Abend lang meine Stimmung und ich fühle mich einfach gut. Außerdem geschehen jedes Mal andere Dinge: Andere Schauspieler spielen andere Rollen, jeden Abend spürst du eine andere Energie, du hast jeden Tag vor der Show andere Situationen durchlebt und hast dementsprechend andere Gemütszustände. Durch all diese Einflüsse wird es nie langweilig.

Welche Szene in Der König der Löwen ist für Sie die emotionalste?
Die emotionalste Szene ist für mich die, in der Mufasa seinem Sohn sagt, dass die alten Könige in ihm weiterleben. Ich selbst habe in
Simba und Nala
Simba und Nala
meinem Leben viele großartige Lehrer gehabt und viele Menschen, die mich immer angetrieben haben weiterzumachen. Wie auch bei dieser Rolle. Auch da gab es Menschen, die zu mir gesagt haben: "Gib nicht auf! Geh weiter zu den Castings! Eines Tages wirst du die Rolle bekommen!" Wenn ich im Stück zu meinem Sohn sage: "Die großen Könige leben in dir weiter! Du musst in dich gehen und erkennen, wer du bist!", dann bewegt mich das emotional sehr.

Was, denken Sie, ist der Grund dafür, dass das Musical Der König der Löwen seit nunmehr zehn Jahren so ausgesprochen erfolgreich ist?
Das würde eine lange Antwort erfordern (lacht). Um es kurz zu machen: Für mich ist Der König der Löwen eine universale Geschichte, die einfach jedem zu Herzen geht. In jedem von uns steckt ein König. In jedem von uns steckt ein Gigant, der sich brüllend seinen Weg nach außen bahnen will.
Mehr als acht Millionen Zuschauer besuchten bereits das Hamburger Theater am Elbufer, um das Musical zu sehen
Mehr als acht Millionen Zuschauer besuchten bereits das Hamburger Theater am Elbufer, um das Musical zu sehen
Die Kraft, die in uns Menschen steckt, geht über unser Fassungsvermögen hinaus und bewegt sich in demselben spirituellen Raum, in dem sich auch Der König der Löwen bewegt. Der Geist, der dieser Geschichte innewohnt, rührt am Innersten eines jeden Menschen. Simba wird gesagt, dass er der König ist, und durch diese Offenbarung kann er zu sich selbst finden und seinen Platz im Kreislauf des Lebens zurückfordern. Der König der Löwen schafft es, uns das Wesen des Menschen zu zeigen. Wo auch immer man sich in seinem Leben gerade befindet, wenn man die Musik hört und der Seele dieser Geschichte folgt, dann erkennt man sich darin wieder. Wir alle brauchen uns gegenseitig, das ist der Kreislauf des Lebens. Jeder von uns verdient es, unterstützt zu werden, jeder Sohn braucht einen Vater, der ihm dabei hilft, die Kraft zu wecken, die in ihm steckt. Der König der Löwen ist eine Geschichte mit vielen unterschiedlichen Ebenen, eine Geschichte, die Menschen dabei helfen kann, ihren Platz im Kreislauf des Lebens zu finden.

Sie haben auch schon Filme, Fernsehserien und Werbeclips gedreht. Arbeiten Sie lieber auf der Bühne oder vor der Kamera?
Ich genieße beides, aber Live-Unterhaltung macht mir immer besonders viel Spaß. Da ist man im jeweiligen Moment fest verankert. Wir können nichts noch mal drehen oder schneiden, wir fangen an und dann muss alles fließen. Man muss auf diesen Zug aufspringen, egal ob man bereit ist oder nicht. Niemand kann die Show dann noch anhalten, nur weil dir beispielsweise die Augen jucken und du noch einen Moment bräuchtest. Wenn es mich in der Szene, in der Mufasa stirbt, irgendwo juckt oder es ein anderes Problem gibt, kann ich nichts dagegen tun. Das ist tatsächlich manchmal eine aufregende Herausforderung. Andererseits bin ich aber auch von der Idee begeistert, mehr im Medium des Films zu machen. Ich arbeite gerne im Bereich Film und Fernsehen und würde auch gerne wieder vor einer Kamera stehen, aber meine große Liebe bleibt das Theater.

Was sind ihre Pläne für die Zukunft? Werden Sie die nächsten Jahre in Hamburg bleiben? Wird es neue Filme oder andere Projekte geben?
Ich bin offen für alles. Ursprünglich wollte ich die Show spielen und dann irgendwann wieder in meine Heimat zurückkehren, um zu versuchen, in Film und Fernsehen Fuß zu fassen. Aber mittlerweile sehe ich mich als internationalen Künstler, der der Welt etwas geben will. Wenn irgendwer das Gefühl hat, ich könnte zu seiner Idee oder seinen Visionen etwas beitragen, bin ich offen dafür. Wenn ein Regisseur in Italien sagt, ich solle kommen, dann komme ich. Wenn jemand mich in L.A. braucht, gehe ich wieder zurück. Ich bin offen für alles. Scorsese hat sich leider noch nicht gemeldet und falls Johnny Depp oder Will Smith das hier lesen sollten: Ich bin bereit! [lacht]

Interview: Thomas Raab

(Jochen Albrecht)



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    Der König der Löwen
    Produktion United States of America
    Produktionsjahr 1994
    Genre Musical, Family, Drama, Animation, Adventure
    Originaltitel The Lion King
    Kinostart 17.11.1994
    Laufzeit ca. 89 Minuten
    Filmverleih Buena Vista International (Germany) GmbH
    FSK ohne Altersbeschränkung
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