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Walt Disney, Walt Disney Company

Genie und Diktator: Walt Disney

Von einem, der auszog, ein Zauberreich der Harmonie zu erschaffen, und sich dabei mit Despotismus und Rassismus selbst im Weg stand: Walt Disney im Porträt.
08.10.2011 00:01 Uhr -
Walt Disney und seine vielleicht bekannteste Schöpfung - Mickey Mouse
Walt Disney und seine vielleicht bekannteste Schöpfung - Mickey Mouse


Er ist das Sinnbild des amerikanischen Traums: Walter Elias Disney war ein Mann, der die Kunst der Animationsfilme revolutionierte und sie bis in die heutige Zeit nachhaltig prägt. Sein Name erreichte zusammen mit seinen Helden Donald Duck, Goofy und natürlich Mickey Mouse eine sensationelle internationale Bekanntheit. Seine abendfüllenden Zeichentrickfilme waren für Zeitgenossen die besten Arbeiten, die das Animationsgenre zu bieten hatte. Sein Image als charakterstarker Geschäftsmann, künstlerischer Visionär, gefühlvoller Ehemann und liebender Vater wusste Disney gekonnt zu festigen. Über 800 verschiedene Preise und Auszeichnungen (darunter 26 Oscars) machen ihn heute, fast 50 Jahre nach seinem Tod, zu einem der am meisten ausgezeichneten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte. Doch neben all seinen positiven Eigenschaften war der "liebe Onkel Walt" auch ein freiwilliger FBI-Informant der ersten Stunde, bekennender Antisemit, Gewerkschaftsgegner und tyrannischer Arbeitgeber.

Eine eindeutige Handschrift
Die Darstellung einer idealen, harmonischen Welt, in der Frieden, Eintracht und die guten, alten christlichen Werte von Fleiß und Nächstenliebe herrschen, ist ein klares Merkmal der Disney-Cartoons. Es ist quasi die Kinoversion von Geschichten, die uns unsere Mütter vorgelesen haben. Beim jungen Walt verhielt es sich nicht anders. Er selbst erklärte später, zu seinen ersten erfolgreichen
Mowgli und Balu aus 'Das Dschungelbuch'
Mowgli und Balu aus "Das Dschungelbuch"
Produktionen wie Drei kleine Schweinchen, Schneewittchen oder Dornröschen von den Märchen seiner Mutter inspiriert worden zu sein. Die Stoffe der Vorlagen zu den meisten seiner abendfüllenden Filme entnahm Walt der Weltliteratur – und "disneyfizierte" sie seinem Harmoniebedürfnis entsprechend um. Wie stark sich dabei der Stoff veränderte und wie enorm Walts Verlangen nach einer idealen Welt frei von Obszönitäten, Schund und Schmutz war, sieht man in vielen seiner Werke. Allen voran in Das Dschungelbuch, dem letzten Trickfilm, an den Disney noch selbst Hand anlegte: Während Disneys Mowgli in einem Happy End wieder mit den Menschen vereint ist, hatte in Rudyard Kiplings Romanvorlage die Unvereinbarkeit von Zivilisation und Natur weitaus grausamere Folgen. Diese Weichzeichnung macht deutlich, wie wichtig eine harmonische Welt der Kindheit für Walt Disney war – die er selbst nie gehabt hat. Diese tief verwurzelte Sehnsucht nach der Wiederherstellung der Idylle wurde in beinahe allen Disney-Trickfilmen zum festen Bestandteil. Aber was trieb eine der faszinierendsten und widersprüchlichsten Persönlichkeiten der Hollywood-Geschichte an?

Walts Kindheit
Walter Elias Disney wurde als Sohn des Bauunternehmers Elias Disney und dessen Frau Flora Call am 5. Dezember 1901 in Chicago geboren. Mit seinen vier Geschwistern wuchs Walt auf einer Farm in Missouri auf, wo er bereits in den jungen Jahren seine Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckte. Walts Kindheit unter dem Regiment seines Vater, der den Jungen regelmäßig körperlich hart bestrafte, war nicht glücklich. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte Walt die für viele misshandelte Kinder typische Fantasie, sein Vater wäre gar nicht sein leiblicher Erzeuger – eine Vorstellung, die sein Leben und seine Werke nachhaltig prägen sollte. Als die USA 1917 in den Ersten
Der König der Löwen
Der König der Löwen
Weltkrieg zogen, bot sich dem jungen Walter die Gelegenheit, dem Elternhaus zu entfliehen, und so meldete er sich freiwillig zur Armee. Dabei stellte Walt fest, dass seine Geburtsurkunde nirgendwo aufzufinden war, was seine Fantasien über seinen "falschen Vater" noch mehr beflügelte. Diese Unsicherheit bezüglich der eigenen Herkunft sollte Walt sein Leben lang verfolgen. Als er später zum gefeierten Hollywood-Zaren wurde, nutzte der berüchtigte FBI-Direktor J. Edgar Hoover Walts Überzeugung, ein Bastard zu sein, um ihm die Zusammenarbeit mit dem FBI schmackhaft zu machen. So lockte ihn Hoover mit der Information, dass Walt ursprünglich aus einem kleinen, spanischen Dorf namens Mojacar stammen könnte. Der Wahrheitsgehalt der Indizien dafür, die nie bewiesen wurden, ist dabei irrelevant. Wichtig ist, dass Walt wusste, dass es sie gab, und sie damit seinem Trauma neue Nahrung gab. Das Fehlen einer eindeutigen Vaterfigur wird eines der prägnantesten Elemente in Disneys Werken. Ob Schneewittchen (das nach dem Tod des Vaters auf Gedeih und Verderb seiner bösen Stiefmutter ausgeliefert ist), Bambi (das keinen Vater kennt, bis eine Art Übervater in Form des Herrn der Wälder auftaucht) oder Pinocchio (dessen größter Wunsch ist, ein richtiger Junge und damit "echter" Sohn seines Schöpfers Gepetto zu sein): All diese Figuren leiden an der Zerstörung bzw. der ursprünglichen Unvollkommenheit der "klassischen" Vater-Mutter-Kind-Familie. Selbst lange nach Walts Tod findet sich das "Vaterproblem" in zahlreichen Disney-Filmen wieder: So verliert der kleine König der Löwen Simba seinen Vater durch eine Hamlet-artige Intrige.

Mickey Mouse
Nach Kriegsende kam Walt nach Kansas City, um sich dort als Zeichner seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser "Abstecher" war aus zwei Gründen für Disneys zukünftige Karriere wichtig. Zum einen sammelte er genug Erfahrungen als Cartoonist, um seine erste eigene Firma "Laugh-O-Grams" zu gründen. Viel bedeutender war aber sein Zusammentreffen mit Ubbe "Ub" Iwerks, einem begnadeten Zeichner, der zusammen mit Walt eine Produktionsfirma gründete. Nachdem "Laugh-O-Grams" 1923 Bankrott gegangen war, fuhr Disney nach Los Angeles, wo sein Onkel Raymond und sein Bruder Roy lebten, und bat sie um finanzielle Unterstützung. Nach einem kurzen,
Mickey Mouse in 'Steamboat Willie'
Mickey Mouse in "Steamboat Willie"
erfolglosen Versuch, eine Anstellung als Filmregisseur zu finden, wandte er sich daraufhin wieder den Cartoons zu. Die ersten Einnahmen aus dem Verkauf seiner Alice Comedies (Kurzfilme, die eine Mischung aus real gefilmten und animierten Passagen darstellten) investierte Walt in die Miete von Studioräumen und die Produktion weiterer Filme. Mit an Bord waren unter anderem sein Bruder Roy, der sich um Finanzangelegenheiten der jungen Studios kümmerte, und Ub Iwerks in der Position des Art Directors. Ab diesem Zeitpunkt betätigte Disney sich nur noch bedingt auf dem Feld der eigentlichen Animation und überließ Iwerks zunehmend die Kreation neuer Figuren. Iwerks bewies sogleich seinen Wert, als er eine Legende aus der Taufe hob: In Anlehnung an die zuvor gescheiterte Figur des Kaninchens Oswald erschuf der Zeichner das Aushängeschild der Disney-Studios – Mickey Mouse gab mit Plane Crazy 1926 sein Leinwanddebüt. Zwei Jahre später gelang Walt eine Sensation, als er mit Steamboat Willie einen erstmalig mit Ton und Musik unterlegten Cartoon präsentierte. Dieser festigte den Publikumserfolg des Mäuserichs und verschaffte den damals am Rande des Bankrotts stehenden Studios das dringend benötigte Geld. In den folgenden Jahren produzierte Disney eine Reihe von Animations-Kurzfilmen, die das öffentliche Ansehen des Studiochefs noch weiter steigen ließen und ihm die Möglichkeit gaben, neue Animationstechniken auszuprobieren. So nutzten die Disney-Künstler bei der Silly Symphonies-Reihe die neuartige Technicolor-Farbtechnik – Walt wurde dafür erstmals mit einem Oscar ausgezeichnet. Zugleich erblickten neue Disney-Figuren das Licht der Welt, von denen Donald Duck (quasi der Mr. Hyde zu Mickeys Dr. Jekyll) wohl die bekannteste ist.

Walt Disney


Erstes Riesenprojekt
Ganz der clevere Geschäftsmann, bezog Walt bald einen Großteil seiner Einnahmen aus einem bisher durch Hollywood wenig erschlossenen Marktbereich: dem Marken-Franchise. Als der Erfolg der Cartoon-Maus zunahm, schloss Disney einen lukrativen Vertrag zur Vermarktung von Mickey-Fanartikeln ab, der ihm jährlich Millionen einbrachte. Zudem war er während seines ganzen Lebens darauf bedacht, nie die Rechte an seinen Figuren aus der Hand zu geben. Disneys nächstes Unterfangen überflügelte dann die erfolgsverwöhnte Maus noch: Mit Schneewittchen und die sieben Zwerge feierte der erste abendfüllende Trickfilm der Welt 1937 Premiere. Ein wahres Riesenprojekt, dessen Herstellung viele Jahre gedauert, die Arbeit von über 750 Künstlern beansprucht und Millionen von Dollar gekostet hatte. Doch es sollte sich lohnen. Die Kritik überschüttete Disney mit Lobeshymnen, die Einnahmen stiegen weiter und die Konkurrenten von Warner und MGM mussten zähneknirschend zusehen, wie der jüngste Studioboss Hollywoods vom Establishment auf Händen getragen wurde. Doch an der Heimatfront der Studiobelegschaft zogen schon seit Jahren von der Öffentlichkeit unbemerkt dunkle Wolken auf.

(K)Eine große, glückliche Familie
Disneys Marketingbegabung hatte das Studio bisher durch manch Krise hindurchgerettet. Seinen frühen Ruhm als Zeichentrick-Guru verdankte Walt sogar mehr seinem Organisationstalent als seinem eher mäßigen zeichnerischen Können. Arthur Babbit, einer der besten Disney-Zeichner der 20er- und 30er-Jahre, äußerte sich recht direkt über seinen Chef: "Eigentlich hatte er weder vom Zeichnen eine Ahnung noch von der Musik noch von der Literatur oder von sonst was – allerdings war er ein großartiger Koordinator." Diese Koordinationsgabe setzte Disney in Form eines straffen Regiments ein, wodurch er den Studiobetrieb mit stahlharter und puritanischer Strenge führte. Die Anforderungen waren enorm, die Anerkennung gering und die Bezahlung der Animationskünstler, Musiker,
Logo der Walt Disney Productions
Logo der Walt Disney Productions
Gag-Schreiber und sonstigen Mitarbeiter zählte zu den niedrigsten der Branche – dennoch galt die Arbeit bei Disney als prestigeträchtig, was für das Studio einen steten Zulauf an talentierten jungen Künstlern bedeutete. In seiner Einstellung zu seinen Mitarbeitern unterschied sich Walt aber kaum von den anderen Studiobossen: Für ihn waren sie Angestellte, die ihm zu gehorchen hatten. Ihr persönlicher Stil und ihr Talent verschwanden hinter dem "Walt Disney Presents"-Logo, während Walt in der Öffentlichkeit sein Studio gerne als große, glückliche Familie darstellte. Für weniger anspruchsvolle Tätigkeiten engagierte er häufig weibliche Verwandte und Freundinnen seiner ausschließlich männlichen Animatoren. Da Walt der Meinung vertrat, dass seine "Mädchen" kooperativer und daher eher bereit seien, notfalls sieben Tage die Woche zu arbeiten, zeigte er sich den Frauen seines Betriebs gegenüber stets als vorbildlicher und gesitteter Gentleman, während er den Männern gegenüber den strengen Zuchtmeister spielte. Doch vor allem Disneys Egozentrismus und seine Weigerung, seinen Mitarbeitern auch in erfolgreicheren Zeiten die nötige Anerkennung in Form besserer Gehälter zukommen zu lassen, schürte Unmut unter seinen Angestellten, die Disneys totalitärem Regime der Namen "Waltaritarismus" verpassten. Und so war es unvermeidlich, dass die schlechte Stimmung der Belegschaft in Streiks resultierte, von denen der größte das Studio an den Rand des Kollapses brachte.

Der Streik
Durch den bahnbrechenden Erfolg von Schneewittchen angekurbelt, peitschte Disney Ende der 30er die Produktion von drei weiteren "großen" Trickfilmen gleichzeitig voran: Pinocchio, Fantasia und Dumbo. Dies schuf eine enorme Belastung für alle Angestellten der
Disneys Pinocchio
Disneys Pinocchio
Studios, die teilweise vor Übermüdung am Arbeitsplatz bewusstlos wurden. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, Walt dazu zu bewegen, seine Studios den Gewerkschaften zu öffnen, kam es schließlich 1941 zum Streik. Disney war außer sich, bezeichnete die Protestler als "Verräter" und weigerte sich, auch nur mit ihnen zu sprechen. Der Streik zog sich hin, die laufenden Produktionen standen still und die Firma lief Gefahr, in kürzester Zeit Bankrott zu gehen. Um schließlich nicht alles zu verlieren, musste die Studioleitung nach fast drei Monaten die Forderungen der Arbeiter akzeptieren. Doch allein die Tatsache, dass "seine Jungs" sich gegen ihren Herrn gewandt hatten, schlug Walt stark auf Gemüt. Ein tiefes Misstrauen gegenüber seinen Mitarbeitern erfasste den Studioboss und seine Überzeugung, dass die jüdisch-kommunistische Verschwörung nicht nur die USA per se, sondern auch sein persönliches Studio als Ziel auserkoren hätte, verhärtete sich bei ihm. Infolgedessen verlor Walt zunehmend das Interesse an der unmittelbaren Arbeit von Cartoons. Dafür nahm er sich jetzt mehr Zeit für Verwaltungs- und PR-Aufgaben: Er zog Sponsoren und Investoren an Land, nahm Preise entgegen und reiste als Kulturbotschafter der USA um die Welt. Sein künstlerischer Fokus driftete zu Dokus und Realfilmen bzw. Serien wie Seal Island oder Davy Crockett ab. Zudem sah sich Walt in diesen Tagen an der vordersten Front des aufkeimenden Kalten Krieges: Seine eifrige Zusammenarbeit mit dem FBI gab ihm ein Gefühl der Wichtigkeit im Kampf gegen all die subversiven "Kommunistenjuden", die die USA – und noch viel wichtiger: sein Studio – bedrohten.

Sind denn alle Juden weg?
In einer Folge der Comedy-Serie Family Guy öffnet der posthum eingefrorene Walt Disney den Deckel seines Kristallsargs in Disneyland und fragt den anwesenden Assistenten, ob denn all die Juden schon weg seien. Als dieser verneint, schließt Walt den Sargdeckel wieder und zieht so weiteren Kälteschlaf einer "Welt voller Juden" vor. Dieser Gag zeigt deutlich, dass Walt Disneys Antisemitismus längst ein offenes Geheimnis ist. Walt selbst hat nie ein Hehl daraus gemacht. So berichtet Arthur Babbit davon, wie Disney sich etliche Male über "diese Juden" aufregte, die in den anderen Hollywood-Studios am Hebel saßen und alles daransetzten, ihn in den Ruin zu treiben. Um
Peter Pan
Peter Pan
diese Form des Antisemitismus zu verstehen, muss man wissen, das sie weniger blinder Hass als seinerzeit "normaler" Ausdruck der typisch konservativen Gemütsverfassung eines US-WASP (White Anglo-Saxon Protestant) war. In einer Zeit, als nicht nur Juden, sondern auch andere Randgruppen wie Schwarze, Mexikaner, Frauen etc. immer mehr auf Rechte- und Chancengleichheit zu pochen begannen, fiel vielen konservativen, weißen, männlichen Amerikanern nichts anderes ein, als ihnen mit einer diskriminierenden Haltung zu begegnen – und zu hoffen, dass der Spuk vorbeigehen würde. Walt war da keine Ausnahme. So sah die frühe Fassung von Drei kleine Schweinchen einen Wolf vor, der sich als jüdischer Straßenverkäufer getarnt mit Locken und langer Nase Zugang zu den Häusern der ehrlichen Schweine zu verschaffen sucht. Die Ursprungsfassung von Fantasia beinhaltete wiederum eine Szene, in der ein plumper, kleiner Zentaur afrikanischer Herkunft (mit Wulstlippen und Rasta-Zöpfen) einem weitaus eleganteren, weißen Zentauren die Hufe poliert. Und auch nachdem diese eindeutig rassistischen Szenen auf Druck der Öffentlichkeit entfernt wurden, blieben dezent eingebaute Stereotypen in einer Tradition bestehen, die sich von Dumbos "schwarzen" Tunichtgut-Krähen über die Indianer aus Peter Pan bis hin zu den barbarischen und gewalttätigen Arabern in Aladdin erstrecken.

Der Höhepunkt des Ruhms
In seiner letzten zehnjährigen Schaffensphase bis zu seinem Tod 1966 stand Walt Disney trotz Kritik an seinen Ansichten auf der Höhe seines Ruhms und entfesselte eine gewaltige Aktivität. Statt sich, wie zwischenzeitlich angekündigt, aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen, gründete er mehrere Tochterunternehmen der Walt-Disney-Studios und 1954 mit Buena Vista einen eigenen Filmverleih. Im selben Jahr wurde er vom FBI-Direktor J. Edgar Hoover zum Special Agent ernannt. Das FBI hatte damit einen sicheren Insider im TV-Business. Walt lieferte unter anderem eifrig Informationen über den Streikführer von 1941, Herb Sorrell, der dadurch in die Mühlen der Kommunistenhetze von Senator McCarthy geriet. Wie hunderte anderer Künstler fand Sorrell nie wieder einen angemessenen Job und starb schließlich mittellos an einem Herzinfarkt. Doch die größte Faszination übte das Projekt eines Disney-Vergnügungsparks auf Walt aus – ein Mammutprojekt, in das er einen großen Teil des gewonnenen Vermögens wieder investieren musste. Dabei kam Walt der Einzug der TV-Geräte in die US-Haushalte der 50er-Jahre gelegen. Zwar dauerte es seine Zeit, bis die großen Disney-Cartoons an die Fernsehstudios gewinnbringend verliehen werden konnten (unter anderem da Walt nicht bereit war, die Farbcartoons für das damalige Schwarz-Weiß-Fernsehen dekolorieren zu lassen), aber mit seiner "Disneyland-Show" brach er alle Einschaltquoten-Rekorde der damaligen Zeit und sicherte lange vor dessen Eröffnung ein stetes Publikumsinteresse an seinem Vergnügungspark. Am 17. Juli 1955 öffnete Disneyland in Anaheim dann seine Pforten. Walt hatte dem Projekt enorme Wichtigkeit beigemessen: Nit Argusaugen überwachte er die Entstehung vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnung. Und auch das FBI war wieder glücklich: Disney gewährte dessen Mitarbeitern sowohl in Verfolgung ihrer beruflichen Aufgaben als auch zu Erholungszwecken freien Zugang zum Park.

Walt Disney


Die späten Jahre
Währenddessen brachte das Studio weiterhin "klassische" Trickfilme wie Alice im Wunderland, 101 Dalmatiner oder Das Dschungelbuch sowie reguläre Spielfilme oder Tierdokus wie den Oscar-Gewinner Die Wüste lebt heraus. Doch die goldene Ära der Disney-Studios war beim Übergang von den 50ern in die 60er weitestgehend vorbei. Selbst auf seinem besten Gebiet, der Animation, lag Disney mittlerweile nicht mehr an der Spitze – die weitaus provokanteren, bissigeren Looney Toons der Warner Brothers mit dem frechen, pubertierenden Karnickel Bugs Bunny als Frontfigur passten mehr zur Stimmung dieser Zeit der Rebellion. Doch die Masse an Spielfilmen und Dokumentationen zusammen mit TV-Einnahmen und der Riesenerfolg von Disneyland glichen das mühelos wieder aus. Sie erlaubten es Walt, sich nur noch marginal am Filmemachen zu beteiligen und nur noch die angenehmen, repräsentativen Aufgaben zu übernehmen. Auf die Sechzig zugehend, litt er allerdings auch immer mehr unter unzähligen kleinen Gebrechen, die ihn nun als Folge von Schlaflosigkeit, Alkoholkonsum, Depressionen, Nervenzusammenbrüchen, Dutzenden Zigaretten am Tag, schlechter Ernährung und diversen Sportunfällen quälten.


Ein letztes Fest der Harmonie
Doch zu guter Letzt bewies Walt, dass er immer noch zu den Besten in Hollywood zählte. Die Geschichte um das magische Kindermädchen Mary Poppins (1964) wurde sein letztes Meisterwerk, ein Fest der Befreiung und der Harmonie des erwachsenen mit dem
Walt Disneys Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame
Walt Disneys Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame
kindlichen Ich. Die Reise der Erwachsenen durch eine magische Bilderwelt lässt sie ins zauberhafte Reich der Kinderfantasien eintauchen – und zelebriert dadurch die Freiheit des Geistes und somit der Seele. Kein Wunder, dass Disney-Biograf Marc Eliot diesen Film "eineHymne auf die Unsterblichkeit" nannte. Doch Walts Körper war die Unsterblichkeit nicht gegönnt. Als die Ärzte bei ihm im Herbst 1966 bösartigen Lungenkrebs entdeckten, unterzog er sich einer Operation, die jedoch nichts half. Walter Elias Disney starb am 15. Dezember 1966 in Burbank, Kalifornien, neun Tage nach seinem 65. Geburtstag. Er war zu Lebzeiten mit ziemlicher Sicherheit nicht der nette Märchenonkel gewesen, als der er sich gerne dargestellt hatte, aber wohl auch nicht das Monster, als das er von Kritikern gern gezeichnet wird. Mit Sicherheit war Disney nur eines gewesen: eine komplexe und vielschichtige Persönlichkeit und einer der herausragendsten Pioniere Hollywoods, dem wir unzählige schöne Kinostunden verdanken.

(Autor: Andrej Schenk)

(Jochen Albrecht)



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    Walt Disney
    Geburtstag 05.12.1901
    Geburtsort Chicago, Illinois
    Geburtsland United States of America
    Beruf(e) Drehbuchautor, Produzent, Regisseur, Schauspieler
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