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Johnny English, Rowan Atkinson

"Du läufst steif - und ich weiß warum" - Interview mit Rowan Atkinson

Ein Gespräch mit Rowan Atkinson über Action, Faulheit und einen alten 007.
06.10.2011 10:06 Uhr -
Johnny English - Jetzt erst recht


Mr. Atkinson, ist der Film eine größere Produktion gewesen als der erste Johnny English?

Ja, sie haben wirklich sehr viel Geld für alles ausgegeben.



Es gibt derzeit keinen James Bond oder Jason Bourne, wollten Sie also diese Lücke füllen?

Ja, ich denke in einer gewissen Weise tun wir das. Wir haben zwar keinen Bond- oder Bourne-Film gedreht – aber wir sind das witzige Gegenstück. Außerdem verlassen wir uns auf die Vertrautheit der Leute mit dieser Welt – der Welt der Spionage. Und wir waren daran interessiert, den Film in Bezug auf Budget, Bühnenbild und Casting wie einen Bond-Film aussehen zu lassen. Wir haben keine Komiker für den Film gecastet. Nahezu jeder Darsteller unseres Films hat bereits in einem Bond-Film mitgespielt oder könnte es zumindest tun. Das war wohldurchdacht, denn wir wollten dem Hintergrund und auch der Geschichte des Films selbst etwas mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Hoffentlich stechen die Witze und Albernheiten, denen wir uns darüber hinaus hingeben, deutlich aus diesem sehr ernsten Hintergrund heraus.



Haben Sie Ihre Stunts selbst gemacht?

Ja, ich habe ein paar der Stunts selber gedreht, soweit es mir erlaubt wurde.



Wie physisch anstrengend war es für Sie?

Nun ja, physisch war es etwas kompliziert. Dummerweise habe ich mir einen Muskel gerissen, als wir nach fünf Wochen Drehzeit gerade weiter nach Hongkong fliegen wollten. Ich habe mich rechtzeitig erholt, um damit irgendwie in Hongkong den Dreh überleben zu können, aber ich war nie wirklich so frei, wie ich es vorher gewesen war. Wenn ich jetzt Ausschnitte des Films sehe, in denen ich herumrenne, denke ich immer: "Hm, du läufst sehr steif – und ich weiß auch warum." Das war eben, weil ich einen zu dieser Zeit einen Muskelriss hatte.



Hatten Sie einen Personal Trainer?

Ja und das hat dabei geholfen, die Beweglichkeit eines Mannes im mittleren Alter zu verbessern. (lächelt)



Wie haben Sie sich den Muskel gerissen?

Ich habe mich während der harmlosesten Situation am Set verletzt. Es ist einfach deshalb passiert, weil ich morgens bereits über einen längeren Zeitraum herumgerannt bin, und als der Dreh immer so weiterging, war es plötzlich acht Uhr abends und ich musste ruckartig aus einem Zimmer rennen – das war genug, um meinen Muskel zum Reißen zu bringen, da der sich bereits in Ruhemodus begeben hatte. Es war blödes Timing. Aber zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich wie ein erstklassiger Fußballspieler – sich einen Muskel zu zerren, was mir vorher noch nie passiert ist.



Was können Sie über die Rollstuhl-Szene in dem Einkaufszentrum erzählen? Haben Sie das selbst gedreht oder war das ein Stunt-Double?

Ich habe nicht alles komplett selber gedreht, aber einiges davon schon. Manche Stunts auf der Straße konnte ich nicht drehen, weil wir extreme Schwierigkeiten mit der Versicherung bekommen haben, der die Idee überhaupt nicht gefallen hat. Natürlich ist der Rollstuhl fantastisch – er fährt fast 70 km/h und das ist gefährlich, weil ja das Zentrum der Schwerkraft so hoch ist. Es gibt keine Stabilität, und wenn etwas schiefgeht, fällt man schnell heraus. Die Produzenten waren diesbezüglich also sehr nervös. Aber wir haben es gut hinbekommen: Jeden Tag haben wir sie ein Stück mehr dazu gebracht, mich immer mehr Stunts selbst machen zu lassen, und am Ende habe ich einen wirklich sehr schnellen Lauf das Einkaufszentrum hinunter hingelegt, den man im Film letztendlich zu sehen bekommt. Das Tempo lag bei mindestens 60 km/h und in einem Rollstuhl kann man das richtig spüren.



Genießen Sie es, solche Actionszenen zu drehen?

Ja, das tue ich. Der Rollstuhl war sogar meine Idee – ich dachte daran, etwas anderes als eine gewöhnliche Autojagd zu veranstalten. Wenn man eine Komödie dreht, will man alle Elemente im Film haben, die die Leute kennen. Eine Autojagd ist eine Tradition in allen Action- und Agentenfilmen, gleichzeitig wollten wir nicht nur irgendeine Autojagd drehen, wir wollten ihr etwas Spezielles geben. Und als ich darüber nachdachte, welche anderen Dinge vier Räder besitzen, fiel mir der Rollstuhl ein.



Was ganz anderes: Warum gibt es meist so lange Lücken zwischen Ihren Filmen?

Nun ja, weil ich dazu neige, in jeden einzelnen Teil des Prozesses involviert sein zu wollen. Das erste Meeting bezüglich des Drehbuchs war – ob Sie es glauben oder nicht – bereits im Jahr 2004, kurz nach der Vollendung des ersten Films. Wir entwickelten zwar einige Entwürfe für ein Drehbuch, wurden davon jedoch abgelenkt, als wir beschlossen, einen weiteren Mr. Bean-Film zu machen. Also drehten wir Mr. Bean macht Ferien und übernahmen anschließend 2008 wieder die Verantwortung eines weiteren Johnny English-Abenteuers. Ich glaube, die Verzögerung lag daran, dass ich in jede Phase der Planung involviert sein möchte – außerdem an meiner Eigenwilligkeit, immer selbst zu prüfen, wie gut das Drehbuch ist. Ich möchte nicht gehetzt werden und bin ehrlich gesagt ein bisschen faul. Ich möchte nicht jeden Tag etwas tun müssen, und wenn eine Produktion erst einmal begonnen hat, muss man Tag und Nacht daran arbeiten. Daher mag ich es, Pausen zwischen meinen Filmprojekten zu machen.



Wird es einen weiteren Johnny English in der Zukunft geben?

Johnny English ist eine interessante Figur und wir haben versucht, ihn im Film Respekt zu zollen und ihn gleichzeitig als Subjekt der Komik herhalten zu lassen. Da er inzwischen älter ist, gibt es zum Beispiel Witze darüber, dass er nicht mehr der Jüngste ist, aber mit dem Alter die Weisheit einhergeht. Für mich geht eine große Faszination von Komödien mit einem alten Bond aus und auch wenn die James Bond-Macher es vermutlich nicht gern sehen würden, finde ich den Gedanken an einen James Bond im Alter von 60 oder 70 Jahren faszinierend: jemand, der körperlich ungeeignet ist, nicht mehr laufen kann, aber dennoch ein paar gewisse Fähigkeiten hat. Und auf gewisse Weise repräsentiert der Rollstuhl diese Idee und ich glaube weiter fest daran, dass der alte Bond eine amüsante Sache wäre. Man könnte daraus sicher niemals einen ernsthaften Film machen, aber für eine Komödie ist es ideal.


(Übersetzung: Annika Petry)


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    Johnny English - Jetzt erst recht
    Produktion United Kingdom
    Produktionsjahr 2011
    Originaltitel Johnny English 2
    Kinostart 06.10.2011
    FSK ab 6 Jahren
    Weitere Infos und Artikel finden Sie in unserer Datenbank

    Rowan Atkinson
    Geburtstag 06.01.1955
    Geburtsort Newcastle-upon-Tyne, England
    Geburtsland United Kingdom
    Beruf(e) Produzent, Regisseur, Schauspieler
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