Die Klappe bedeckt das andere Auge und auch sonst hat Jeff Bridges als Rooster Cogburn einiges anders als der "Duke" gemacht.
Als John Wayne 1970 seinen einzigen Oscar gewann, sagte er vor laufenden Kameras: "Hätte ich das geahnt, hätte ich schon vor fünfunddreißig Jahren eine Augenklappe getragen." Denn Wayne bekam die goldene Statue für die Rolle des einäugigen Reuben "Rooster" Cogburn in dem Western
Der Marshal (Originaltitel:
True Grit, 1969). Er spielte einen schmerbäuchigen, versoffenen Westernhelden der ganz anderen Art, der zusammen mit einem vierzehnjährigen Mädchen, Mattie Ross, seinerzeit gespielt von Kim Darby, durch ein gefährliches Indianerreservat reitet, um den Mörder ihres Vaters zu fangen. Für Wayne war es eine der größten Rollen seines Lebens. Wie seine Figur Rooster Cogburn zählte auch er längst schon zum alten Eisen und
Der Marshal war für ihn eine Art Wiedergeburt, denn Wayne schien nicht ins "New Hollywood" der späten Sechziger zu passen. Zudem war der alte Wild-West-Held dem Tode nahe, er litt an Krebs. So war seine Rolle als Rooster Cogburn eine Art letztes Aufbegehren. Mit aller Kraft stemmte sich Wayne noch einmal gegen das Ende, gegen die Bedeutungslosigkeit. Seine Performance in
Der Marshal ist hervorragend, 1975 folgte sogar ein Sequel,
Mit Dynamit und frommen Sprüchen, mit Katharine Hepburn. Dennoch lässt
Der Marshal einiges zu wünschen übrig. Die Mischung aus Abenteuergeschichte und Slapstick funktioniert nicht immer reibungslos und die damals zweiundzwanzigjährige Kim Darby ist nicht sonderlich überzeugend in der Rolle der jungen Mattie Ross. Der Star des Films ist eindeutig John Wayne. Selten ist ein Darsteller so perfekt mit seiner Rolle verschmolzen.
Underground-KlassikerDer Film basiert auf dem Roman
True Grit von Charles Portis, der dieser Tage in einer neuen Ausgabe auch in Deutschland erscheint. Das Buch ist äußerst lesenswert, eine klassische Abenteuergeschichte in der Tradition von Mark Twain und Jack London, voller Spannung, lakonischem Humor und subtil beobachteten Details. Charles Portis begann seine Karriere als Journalist, und gilt heute als einer der großen, "unentdeckten" Kultautoren der USA. Er diente im Koreakrieg in der US-Army und arbeitete einige Jahre lang in London für die berühmte Tageszeitung
New York Herald-Tribune. Danach zog sich Portis in eine Hütte in Arkansas zurück und schrieb Romane. Bis heute – Portis ist jetzt 78 – hat er nur fünf Bücher geschrieben. Drei davon waren Bestseller und sie alle gelten heute als Underground-Klassiker. Portis' Bücher sind satirische Schelmenromane, Westernerzählungen und literarische Roadmovies. Sie sind flüssig geschrieben, höchst unterhaltsam und voller Menschlichkeit und Humor.