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127 Hours - Kinokritik/Review

Regisseur Danny Boyle liefert mit 127 Hours einen Film der Extreme - extrem hart, extrem gut!

Filmkritik
16.02.2011 16:26 Uhr -
Tougher Natur-Junge: James Franco als Aron Ralston [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Im Jahre 2003 erlitt der hartgesottene Naturbursche Aron Ralston bei einem Trecking-Ausflug in die Berge von Utah einen scheinbar kleinen Unfall. Er rutschte aus und stürzte in einen schmalen Canyon. Sein rechter Arm verfing sich zwischen der Felswand und einem mittelgroßen Gesteinsbrocken. Ralston war so weit unverletzt, aber es gelang ihm nicht, sich zu befreien. Und da er niemandem von seiner Wanderung erzählt hatte, war auch nicht mit einer baldigen Rettung zu rechnen. Er steckte fest. Der scheinbar Unbesiegbare war zum ersten Mal in seinem Leben völlig hilflos. Mit jedem Tag ging ihm sein ohnehin schon knapper Wasservorrat immer weiter zu Neige. Fünf Tage lang war Ralston in dem Canyon gefangen. Als er den nahenden Tod zu spüren begann, griff er zu drastischen Mitteln …

Viele Leser werden möglicherweise bereits wissen oder ahnen, welche Mittel das waren, aber wir wollen trotzdem nicht zu viel verraten. So viel ist klar: Ralston hat überlebt und sogar ein Buch über sein Martyrium geschrieben. Jetzt, sieben Jahre später, hat der oscarprämierte Kult-Regisseur Danny Boyle (Trainspotting, 28 Days Later) die Gesch
Hauptdarsteller James Franco & Regisseur Danny Boyle [Quelle: siehe Bildergalerie]
ichte des Aron Ralston verfilmt, nach einem Drehbuch von Simon Beaufoy (Ganz oder gar nicht). Doch Boyle und Beaufoy, die zuvor an dem hervorragenden Slumdog Millionär (2008) zusammen gearbeitet haben, interessieren sich nicht für flache, naturgetreue Biopics. Schließlich wurde Boyle für seinen visuellen Einfallsreichtum bekannt, unter anderem bei der Drogen-Comedy Trainspotting oder auch dem in einer Flashback-Struktur erzählten Slumdog Millionär. Seitdem probiert Boyle immer wieder mal was Neues, so auch hier. Es dauerte wohl eine Zeit lang, den echten Aron Ralston davon zu überzeugen, Boyle und Beaufoy mit dem Stoff zu vertrauen, denn diesem schwebte eine naturgetreue Nacherzählung seiner Erlebnisse vor. Stattdessen zeichnet Boyle die emotionalen Wechsel mit flüssiger Handkamera und surrealen Einschüben auf. Um die Geschichte des Aron Ralston – hier gespielt von James Franco – zu erzählen, greifen sie tief in die filmische Trickkiste, und das mit beachtlichen Ergebnissen. Fast scheint es, als sei die enge Location, die Gefangenschaft Ralstons, für die Filmemacher eine Art kreative Befreiung. Von einer absolut minimalistischen Situation ausgehend wird 127 Hours bald zu einer Explosion der Sinne. Das ist durchaus begründet, denn Ralston beginnt mit zunehmender Dehydration zu halluzinieren. So wird die Gefangenschaft in dem engen Canyon zu einem gewagten, filmischen Experiment. Wirklichkeit und Wahn, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. In einem Interview mit einer britischen Zeitung nannte Boyle 127 Hours einen "Actionfilm mit einem Typen, der sich nicht bewegen kann". Genau dieser Widerspruch macht den Reiz des Films aus. 127 Hours ist eine rasante, harte, visuelle Achterbahnfahrt, bei der man sich im Kinosessel festklammert. Regisseur Boyle ist auf der Höhe seines Könnens und das merkt man diesem Film an. Das Drehbuch von Simon Beaufoy ist gefühlvoll und brillant durchdacht. Doch das Beste ist der Hauptdarsteller: James Franco. Er ist immerhin fast der einzige Schauspieler im Film. Und er ist eine Offenbarung. Mit jeder Minute wird seiner Performance facettenreicher und intensiver. 127 Hours ist von Anfang bis Ende überzeugend - ein krasser, grandioser, bewegender und zutiefst menschlicher Film, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.



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