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Wall Street - Geld schläft nicht (Kinokritik / Review)

Action:
Humor:
Spannung:
Erotik:
Anspruch:
Film-Wertung:
Oliver Stone wettert in der Fortsetzung seines 80er-Jahre-Klassikers gegen die Finanzwelt. Im Vergleich zum Original fehlt es allerdings an der nötigen Schärfe.

Filmkritik
18.10.2010 17:13 Uhr -
Wall Street - Geld schläft nicht (9) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Gier ist geil – das ist das Credo von Gordon Gekko. In Oliver Stones Wall Street (1987) korrumpierte der Finanzhai einst so ultracool und zynisch, dass er zu einer Ikone des Achtzigerjahre-Kinos avancierte. Michael Douglas mimte den Raffzahn damals genial: süffisant, mit Gel im Haar und Hosenträgern an der teuren Anzughose. Über zwei Dekaden später schlüpft er nun erneut in seine oscarprämierte Rolle. Zu Beginn des Streifens wird Gekko aus dem Knast entlassen. Dort hat er wegen Betrugs acht Jahre eingesessen. Ein Wärter händigt ihm mit vielsagendem Blick seine Wertgegenstände aus. Darunter: ein goldener Geldclip – leer. Und ein unförmiger Kunststoffknochen: ein Handy aus den Achtzigern. Gekko wirkt gebeutelt. Hinter seiner knittrigen Visage ist sogar eine Spur von Läuterung zu erspähen. Aber ist der Börsen-Bösewicht wirklich zum Gutmenschen mutiert? Oder treibt er wieder nur ein fieses Spiel? Das ist die große Frage dieses Streifens, die erst zum Schluss aufgelöst wird. Die eigentliche Handlung beginnt sieben Jahre nach Gekkos Freilassung. Um das Verhältnis mit seiner entfremdeten Tochter (Carey Mulligan) zu kitten, verbündet Gekko sich mit deren Verlobtem, dem jungen Banker Jacob (Shia LaBeouf). Der will sich an einem Börsen-Fiesling (Josh Brolin) rächen und kann Gekkos Fachwissen daher bestens gebrauchen. „Geld ist nicht die oberste Priorität im Leben. Es ist die Zeit“, predigt der scheinbar zahme Gekko wiederholt.

Provokante Meilensteine
Oliver Stone illustriert diese Vergänglichkeitsermahnung mit zahlreichen Symbolen. Hier das Bild einer übergroßen, tickenden Uhr. Dort ein vielsagendes Ölgemälde, das die in Amerika fast ausgestorbenen Büffel porträtiert. Dazu gesellt sich das Motiv von Seifenblasen, die immer wieder durch den Film schweben. Unsere Lebenszeit ist begrenzt – und wir alle leben in einer Blase, die jeden Moment platzen kann. Nicht gerade eine bahnbrechende Botschaft, aber immerhin familienfreundlich. Von Oliver Stone hätte man freilich mehr Biss erwartet. Einst schuf er provokante Meilensteine wie Platoon und Natural Born Killers. In Wall Street 2 wirkt sein Ton altersmilde und die Inszenierung nur selten originell. Splitscreens, Zeitraffer, fallende Domino-Steine und zwischendurch die Skyline von New York als Aktienkurve – das ist nett, aber reißt einen nicht vom Hocker.

Pranger und Sinnsuche
Ebenso wenig vermögen die Bilder vom urbanen Alltag, die wohl aufrütteln sollen, und von der Yuppie-Dekadenz nachhaltig zu beeindrucken. Stone will einerseits mit seinem Film die Verderbtheit des Kapitalismus anprangern. Er gewährt dabei durchaus packende Einblicke in die Konferenzräume der Mächtigen. Doch andererseits ist sein Streifen im Grunde ein Familiendrama über reumütige Väter und ihre sinnsuchenden Nachkommen. Der Mix passt irgendwie nicht recht zusammen. Das bedeutet nicht, dass der Film nicht sehenswert wäre – er ist es, wenn auch mit Einschränkungen. Aber im Vergleich mit dem einst visionären ersten Teil schneidet das Werk nur mittelmäßig ab.


(Dörte Langwald)

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DVD
Blu-ray
Wall Street
United States of America
1987
Crime, Drama
Wall Street
Kinostart: 18.02.1988
ca. 126 Minuten
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