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Dawn of the Dead, Fido, Kino, Resident Evil, Resident Evil 2, Resident Evil: Afterlife(ohne Ankündigung), Resident Evil: Extinction, Zombieland
Fleischgierige Nimmersatte: Großes Zombie-Special bei Widescreen
Der Erfolg der Resident Evil -Reihe beweist, dass wandelnde Untote im Film nach wie vor angesagt sind. WIDESCREEN wirft aus diesem Anlass einen Blick auf die Hintergründe des Zombie-Genres.
07.09.2010 17:32 Uhr - Wussten Sie, dass Zombies und Menschen vor dem deutschen Gesetz gleichgestellt sind? Paragraph 131 des Strafgesetzbuches besagt: Die Darstellung von grausamer Gewalt auch gegen menschenähnliche Wesen ist verboten! Genutzt hat es den Zombies freilich wenig. Derzeit werden die wandelnden Kadaver im Kino geradezu scharenweise abgeschlachtet. Knapp 20 Jahre lagen die Fledderleichen im Grab. Doch seit Danny Boyles 28 Days Later (2002) schlufen sie wieder in Massen über die Leinwand. Zombieland, Survival of the Dead und nun Resident Evil: Afterlife sind nur einige aktuelle Beispiele. Auch auf DVD erscheinen regelmäßig diverse Zombiestreifen, zuletzt Die Horde oder [REC] 2.
Kein Sex-Appeal
Auslöser für diesen Hype war zu Beginn des 21. Jahrhunderts das politische Klima der Regierung Bush. Aber was haben fleischgierige Untote mit amerikanischen Cowboy-Präsidenten zu tun? Der Zombiefilm an sich - als Subgenre des Horrorsektors - tritt stets in Wellen auf. Und zwar immer dann, wenn eine tiefe Verunsicherung der globalen Gesellschaft zu spüren ist. Angst vor Kriegen, Krankheiten und Technologisierung begünstigt das zombiefreundliche Klima. Dass aber ausgerechnet die tumben Schlurfer als filmische Botschafter für humane Paranoia fungieren, liegt in ihrem Wesen begründet. Anders als der aristokratische Vampir, der dank der Twilight-Saga derzeit ebenfalls ein Comeback feiert, haben Zombies keine Individualität - und meistens auch keinen Sex-Appeal. Sie sind willenlose, triebgesteuerte Kreaturen, die stets in Horden auftreten. Das macht sie zur perfekten Projektionsfläche. Die fahlen Nimmersatte werden nicht umsonst als das Lumpenproletariat der Filmmonsterfraktion bezeichnet. Zombies können jedwede hirnlose Masse repräsentieren - oder aber als sinnbildliche Platzhalter unserer Ängste fungieren. George A. Romero setzte die Leichenlemminge in Dawn of the Dead als Allegorie für Konsumjunkies ein. In Zombieland verkörperten die Untoten die Existenzängste des schüchternen Teen-Helden. Und die Horrorkomödie Black Sheep nutzte Zombieschafe, um sie den Menschen als Spiegel ihrer eigenen Verderbtheit vorzuhalten.
Nacktes Überleben
Die wahre Würze der Zombiefilme ist aber nicht der symbolische Subtext der Monster, sondern die Darstellung der Menschen! Eine alte Filmregel besagt: Immer wenn es im Kino um außenpolitische Verfehlungen geht, werden Aliens als Metapher eingesetzt. Sollen aber innenpolitische Belange erörtert werden, sind die Zombies an der Reihe. Der Kern gesellschaftlicher Krisen offenbart sich besonders anschaulich, wenn Menschen in Extremsituationen geraten. Der Angriff von Untoten, die Konfrontatin mit der plötzlichen Bedrohung zwingt die Opfer zu einem Abweichen von der Norm. Masken werden abgelegt, das nackte Überleben wird zur Priorität. Das Verhalten der Menschen in Zombie-Streifen vermittelt wie ein Seismograph soziale Tendenzen in der Bevölkerung. Dabei erlebte der Schwerpunkt der Befindlichkeitssezierung im Laufe der Filmgeschichte starke Veränderungen.
Haitianischer Voodoo-Kult
1919 schlappte der erste Filmzombie durchs Lichtspielhaus: Im expressionistischen Meisterwerk Das Kabinett des Dr. Caligari trat der ferngesteuerte Cesare auf. Seine schlafwandlerische Motorik und sein blasser Teint ließen ihn wie einen lebenden Leichnam erscheinen, allerdings handelte es sich bei diesem frühen Exempel nur um einen armen Tropf, der unter hypnotischem Einfluss stand. Aber der Stummfilm arbeitete bereits ein Motiv heraus, das in späteren Genrestreifen dominanter wurde: die Versündigung des Menschen durch teuflische Machenschaften. Des Erdlings Wunsch Gott zu spieln, führte schon in der Bibel zu tragischen Verwicklungen. I am Legend (2007) oder The Crazies (2010) zeigten Jahrzehnte später weitaus drastischer, welche Folgen es haben kann, wenn in die Natur gepfuscht wird. In beiden Filmen wurden die Zombies als fatales Ergebnis wissenschaftlicher Experimente erklärt. Die lebenden Leichen haben ihren Ursprung übrigens im haitianischen Voodoo-Kult. Ihr Name geht auf das kreolische Wort "Zonbi" zurück, welches einen wiederbelebten Toten bezeichnet. Der erste "echte" Zombie-Film entstand bezeichnenderweise während der amerikanischen Besatzung Haitis (1915-1943): White Zombie aus dem Jahr 1932 handelt von einem heimtückischen Kerl, der mittels Voodoo-Zauber eine Frau zu seiner Sklavin macht. Ein ähnliches Szenario findet sich in Jacques Tourneurs Ich folgte einem Zombie von 1943. Auffällig an diesen frühen Genrewerken ist: Nicht das monströse Verhalten der Zombies fungiert als Auslöser des Horrors, sondern die unchristlichen Praktiken der Menschen. Im Vergleich zu heutigen Schockern waren die alten Schinken insgesamt aber harmlos. Bei den Zombies handelte es sich nicht um fleischfressende Bestien, sondern nur um ihrem Meister hörige Kreaturen. Das änderte sich zwei Jahrzehnte später jedoch dramatisch!
Blitzschnell und aggressiv
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Zombie als Platzhalter für gefügige Leibeigene des Bösen an Reiz. Erst 1968 entdeckte ein junger New Yorker Werbefilmer das Potenzial der fauligen Gesellen. George A. Romero machte die Zombies gefährlich - und zudem gesellschaftsfähig. Denn sein Meilenstein Die Nacht der lebenden Toten wurde in die Filmsammlung des Museum of Modern Art aufgenommen. Romeros Untote sind nicht mehr die Geschöpfe eines Meisters; sie handeln aus eigenem Antrieb und treten erstmals auch in Massen auf. Ihre Existenz konfrontiert den Menschen mit seiner Urangst vor dem Animalischen und Unkalkulierbaren. Zombies handeln instinktiv, nicht rational. Obendrein repräsentieren sie das Vergängliche der humanen Körperhülle und erinnern uns daran, wie instabil unser System ist. Blitzschnell kann eine Zombie-Epidemie die Apokalypse herbeiführen. Jeder Zombie-Film nach 1968 ist das Erbe von Romeros Pionierarbeit. Der postmoderne Untote hat sich allerdings noch einmal verändert. Danny Boyles 28 Days Later sowie die Resident Evil-Reihe prägten eine Spezies, die im Vergleich zu den früher behäbigen Zombies blitzschnell und äußerst aggressiv agiert. In manchen werken, etwa Fido, entwickeln die Modermonster sogar Emotionen, in Day of the Dead auch primitive Intelligenz. Viele aktuelle Genrewerke spielen zudem mit realen Epidemie-Szenarien, wirken beklemmende authentisch. Hoffen wir jedoch, dass Zombies stets eine Utopie bleiben - und nicht, wie in Dawn of the Dead prophezeit, "die Toten auf der Erde wandeln, weil die Hölle überfüllt ist."
Kein Sex-Appeal
Auslöser für diesen Hype war zu Beginn des 21. Jahrhunderts das politische Klima der Regierung Bush. Aber was haben fleischgierige Untote mit amerikanischen Cowboy-Präsidenten zu tun? Der Zombiefilm an sich - als Subgenre des Horrorsektors - tritt stets in Wellen auf. Und zwar immer dann, wenn eine tiefe Verunsicherung der globalen Gesellschaft zu spüren ist. Angst vor Kriegen, Krankheiten und Technologisierung begünstigt das zombiefreundliche Klima. Dass aber ausgerechnet die tumben Schlurfer als filmische Botschafter für humane Paranoia fungieren, liegt in ihrem Wesen begründet. Anders als der aristokratische Vampir, der dank der Twilight-Saga derzeit ebenfalls ein Comeback feiert, haben Zombies keine Individualität - und meistens auch keinen Sex-Appeal. Sie sind willenlose, triebgesteuerte Kreaturen, die stets in Horden auftreten. Das macht sie zur perfekten Projektionsfläche. Die fahlen Nimmersatte werden nicht umsonst als das Lumpenproletariat der Filmmonsterfraktion bezeichnet. Zombies können jedwede hirnlose Masse repräsentieren - oder aber als sinnbildliche Platzhalter unserer Ängste fungieren. George A. Romero setzte die Leichenlemminge in Dawn of the Dead als Allegorie für Konsumjunkies ein. In Zombieland verkörperten die Untoten die Existenzängste des schüchternen Teen-Helden. Und die Horrorkomödie Black Sheep nutzte Zombieschafe, um sie den Menschen als Spiegel ihrer eigenen Verderbtheit vorzuhalten.
Nacktes Überleben
Die wahre Würze der Zombiefilme ist aber nicht der symbolische Subtext der Monster, sondern die Darstellung der Menschen! Eine alte Filmregel besagt: Immer wenn es im Kino um außenpolitische Verfehlungen geht, werden Aliens als Metapher eingesetzt. Sollen aber innenpolitische Belange erörtert werden, sind die Zombies an der Reihe. Der Kern gesellschaftlicher Krisen offenbart sich besonders anschaulich, wenn Menschen in Extremsituationen geraten. Der Angriff von Untoten, die Konfrontatin mit der plötzlichen Bedrohung zwingt die Opfer zu einem Abweichen von der Norm. Masken werden abgelegt, das nackte Überleben wird zur Priorität. Das Verhalten der Menschen in Zombie-Streifen vermittelt wie ein Seismograph soziale Tendenzen in der Bevölkerung. Dabei erlebte der Schwerpunkt der Befindlichkeitssezierung im Laufe der Filmgeschichte starke Veränderungen.
Haitianischer Voodoo-Kult
1919 schlappte der erste Filmzombie durchs Lichtspielhaus: Im expressionistischen Meisterwerk Das Kabinett des Dr. Caligari trat der ferngesteuerte Cesare auf. Seine schlafwandlerische Motorik und sein blasser Teint ließen ihn wie einen lebenden Leichnam erscheinen, allerdings handelte es sich bei diesem frühen Exempel nur um einen armen Tropf, der unter hypnotischem Einfluss stand. Aber der Stummfilm arbeitete bereits ein Motiv heraus, das in späteren Genrestreifen dominanter wurde: die Versündigung des Menschen durch teuflische Machenschaften. Des Erdlings Wunsch Gott zu spieln, führte schon in der Bibel zu tragischen Verwicklungen. I am Legend (2007) oder The Crazies (2010) zeigten Jahrzehnte später weitaus drastischer, welche Folgen es haben kann, wenn in die Natur gepfuscht wird. In beiden Filmen wurden die Zombies als fatales Ergebnis wissenschaftlicher Experimente erklärt. Die lebenden Leichen haben ihren Ursprung übrigens im haitianischen Voodoo-Kult. Ihr Name geht auf das kreolische Wort "Zonbi" zurück, welches einen wiederbelebten Toten bezeichnet. Der erste "echte" Zombie-Film entstand bezeichnenderweise während der amerikanischen Besatzung Haitis (1915-1943): White Zombie aus dem Jahr 1932 handelt von einem heimtückischen Kerl, der mittels Voodoo-Zauber eine Frau zu seiner Sklavin macht. Ein ähnliches Szenario findet sich in Jacques Tourneurs Ich folgte einem Zombie von 1943. Auffällig an diesen frühen Genrewerken ist: Nicht das monströse Verhalten der Zombies fungiert als Auslöser des Horrors, sondern die unchristlichen Praktiken der Menschen. Im Vergleich zu heutigen Schockern waren die alten Schinken insgesamt aber harmlos. Bei den Zombies handelte es sich nicht um fleischfressende Bestien, sondern nur um ihrem Meister hörige Kreaturen. Das änderte sich zwei Jahrzehnte später jedoch dramatisch!
Blitzschnell und aggressiv
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Zombie als Platzhalter für gefügige Leibeigene des Bösen an Reiz. Erst 1968 entdeckte ein junger New Yorker Werbefilmer das Potenzial der fauligen Gesellen. George A. Romero machte die Zombies gefährlich - und zudem gesellschaftsfähig. Denn sein Meilenstein Die Nacht der lebenden Toten wurde in die Filmsammlung des Museum of Modern Art aufgenommen. Romeros Untote sind nicht mehr die Geschöpfe eines Meisters; sie handeln aus eigenem Antrieb und treten erstmals auch in Massen auf. Ihre Existenz konfrontiert den Menschen mit seiner Urangst vor dem Animalischen und Unkalkulierbaren. Zombies handeln instinktiv, nicht rational. Obendrein repräsentieren sie das Vergängliche der humanen Körperhülle und erinnern uns daran, wie instabil unser System ist. Blitzschnell kann eine Zombie-Epidemie die Apokalypse herbeiführen. Jeder Zombie-Film nach 1968 ist das Erbe von Romeros Pionierarbeit. Der postmoderne Untote hat sich allerdings noch einmal verändert. Danny Boyles 28 Days Later sowie die Resident Evil-Reihe prägten eine Spezies, die im Vergleich zu den früher behäbigen Zombies blitzschnell und äußerst aggressiv agiert. In manchen werken, etwa Fido, entwickeln die Modermonster sogar Emotionen, in Day of the Dead auch primitive Intelligenz. Viele aktuelle Genrewerke spielen zudem mit realen Epidemie-Szenarien, wirken beklemmende authentisch. Hoffen wir jedoch, dass Zombies stets eine Utopie bleiben - und nicht, wie in Dawn of the Dead prophezeit, "die Toten auf der Erde wandeln, weil die Hölle überfüllt ist."
(Roman Nitsche)
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