21.08.2010 06:30 Uhr - Im Jahr 1973 lehnt Sean Connery die Rolle in James Bond
Leben und Sterben lassen trotz eines astronomischen Gehalts ab. Doch damit ist es nicht getan. Im selben Jahr lässt sich Connery von seiner Frau scheiden, der Schauspielerin Diane Cilento, deren Mangel an Erfolg er seltsamerweise beneidet. Er hält sie für eine echte Künstlerin. Seinen eigenen Erfolg empfindet er als eine Belastung. Zwei Jahre später ehelichte er die Malerin Micheline Roquebrune, mit der er heute noch verheiratet ist. In den Siebzigern wird es weitgehend still um Sean Connery. Seine Rollenwahl wird scheinbar immer exzentrischer. "Ich hatte nie einen Plan", gibt er in einem Interview zu. Bei einem Golfspiel nimmt er die Hauptrolle in
Connery in dem Sci-Fi-Film Zardoz
John Boormans
Zardoz (1974) an, einem trashigen Science-Ficiton-Machwerk, in dem er mit einer roten Windel herumläuft. Das Drehbuch spricht die "keltische Seite" des schottischen Nationalisten Connery an. Ende der Siebziger ist Connery fast am Ende. Durch Zufall findet seine Frau Micheline heraus, dass Connerys Buchhalter Kenneth Richards ihren Mann jahrelang um Geld betrogen hat. Connery ist so gut wie pleite. Von dem Geld der Bond-Filme is nichts mehr übrig. Der Buchhalter flieht in die Schweiz. Connery tobt, stößt Todesdrohungen aus - doch tun kann er nichts. Connery muss nun jede Rolle annehmen, die er kriegt. Mit dem peinlichen Katastrophenfilm
Meteor (1979) von Ronald Neame erlebt er ein weiteres Karrieretief. Dennoch dreht er in dieser Zeit auch einige bemerkenswerte Filme, zum Beispiel den hervorragenden
Der Wind und der Löwe (1975) von John Milius, in dem er den marokkanischen Rebellenführer El-Raisuli spielt, der 1904 den Westmächten trotzte. 1975 spielt er die Hauptrolle in
Vielleicht sein bester Film: Der Mann, der König sein wollte
dem ebenso unterhaltsamen wie satirischen
Der Mann, der König sein wollte, von Regisseur John Huston nach einer Geschichte von Rudyard Kipling. Der Film - heute aktueller denn je - handelt von einem halb wahnsinnigen englischen Kolinialoffizier (Connery), der sich in einer entlegenen Provinz Afghanistans zum König aufschwingt. Connery hält den Streifen, nicht ganz zu Unrecht, für seinen besten Film und ist bis heute der Meinung, dass er dafür einen Oscar verdient hätte. Er bekommt auch einen Oscar, allerdings erst Jahre später, für die beste
Oscar für die beste Nebenrolle in The Untouchables
Nebenrolle in dem Action-Krimi
The Untouchables - Die Unbestechlichen (1987) von Brian De Palma. Es war besonders das Drehbuch von David Mamet das Connery für diesen Part überzeugte. Mamet fasste die politische Kultur seiner Heimatstadt perfekt zusammen, als er Connery im Film folgenden Satz sagen lässt: "(Al Capone) schickt einen von euch ins Krankenhaus, ihr schickt einen von denen ins Leichenhaus. So wird das in Chicago gemacht."
Flops und AutoritätZuvor schon hat Connery in den Achtzigern ein Comeback, angefangen mit Terry Gilliams
Time Bandits (1981), in dem der bekennende Monty-Python-Fan Connery den väterlichen König Agamemnon spielt. Er fühlt sich wohl in dieser Rolle. Nur für seine eigenen Kinder aus erster Ehe, seinen Sohn Jason und seine Tochter Gigi, findet er keine Zeit. Er leidet an Schuldgefühlen. Doch beruflich läuft es nun. Der
Die Erste seiner väterlichen Rollen:König Agamemnon in Time Bandits
Low-Budget-Film
Time Bandits spielt an der Kinokasse mehr Geld ein als Connerys letzte drei Mega-Flops zusammengenommen. Nur wenig später folgt der Kultfilm
Highlander (1985) von Russell Mulcahy, in dem Connery den unsterblichen Schwertkämpfer Ramirez spielt, der Christopher Lamberts Connor MacLeod die Regeln der Unsterblichkeit erklärt. Die Rolle ist ein erneuter Durchbruch für Connery, von nun an übernimmt er zunehmend den Part der weisen, väterlichen Autorität. Das Toupet lässt er jetzt meistens weg. Er wird anders wahrgenommen. Er wirkt reifer, erfahrener, er verleiht Hollywood-Produktionen eine würdevolle Aura. So auch in
Jean-Jaques Annauds wunderbarer Umberto-Eco-Verfilmung
Der Name der Rose (1986). In der Rolle des Schnüffler-Mönchs William von Baskerville erkennt er offen sein Alter an und geht spielerisch mit seinem Image von früher um. Dabei wollte Produzent Gerard Leibowitz eigentlich lieber Michael Caine für die Rolle haben. Doch Leibowitz, der angeblich Verbindungen zur Pariser Unterwelt hatte, wurde auf offener Straße in einem Kugelhagel niedergemäht. Bernd Eichinger übernahm das Projekt und Connery bekam die Rolle.
Zusammen mit Harrison Ford in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
Drei Jahre später ist Connery in Steven Spielbergs
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989) an der Seite von Harrison Ford zu sehen, dessen Vater er spielt - obwohl er nur zwölf Jahre älter ist. Es folgen kommerziell erfolgreiche Mainstream-Schinken wie
Jagd auf Roter Oktober (1990) von John McTiernan und, nun ja, der unglaublich trashige
Highlander II - Die Rückkehr (1991), über den Fans des ersten Teils gerne den Mantel des Scheigens breiten. Connery wird dennoch endgültig zum Markenzeichen, in vielen Filmen wirkt er wie eine Flasche hochwertigen schottischen Whiskeys, die verloren in einem Ikea-Regal herumsteht. 1991 bekommt er für
Robin Hood - König der Diebe für nur drei Tage Arbeit als Richard Löwenherz eine Viertelmillion Dollar. Das Geld spendet Connery einer AIDS-Stiftung - und
Filmplakat zu Robin Hood - König der Diebe
nimmt sich die Zeit, die Sterbenden zu besuchen. Mit
König der Diebe wird Connery selbst zum König gekrönt. Als der Film in Deutschland in die Kinos kommt, wird Connerys Auftritt mit Szenenapplaus bedacht. Er ist gekommen, um die Dinge wieder zu richten. Alles wird gut, der König ist wieder da: König Connery.
Zoff und AbdankungEndlich wird der alte Haudegen als das wahrgenommen, der er schon immer sein wollte: ein gediegener Schauspieler, ein Weltstar, Sexsymbol und Charakterschauspieler zugleich. Am Silvesterabend 1999 wird er von Queen Elizabeth zum Ritter geschlagen. Seine Karriere lässt er von da an langsam ausklingen: Es folgen ein Dutzend weiterer, eher durchschnittlicher Filme, die sich teils als Flops erweisen (
Medicine Man,
First Knight,
Mit Schirm, Charme und Melone), teils allein dank ihm Kassenerfolg werden (
The Rock,
Verlockende Falle), die aber vor allem alle durch seine Leinwandpräsenz aufgewertet werden. Als sich Connery (an Filmsets schon lange als
Sein letzter großer Auftritt: Sir Sean Connery in Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman
schwierig geltend) 2002 bei den Dreharbeiten zu
Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen heftig mit Regisseur Stephen Norrington (
Blade) zofft, muss er feststellen, den Draht - und die Leidenschaft - zum modernen Film verloren zu haben. Er beschließt für sich, sich zur Ruhe zu setzen. Medien und Fans verinnerlichen dies - auch aufgrund immer wieder aufkeimender Comeback-Gerüchte, die aber nie von Connery selbst ausgehen - erst Jahre später, dass mit ihnen ein ganz Großer des Kinos der Leinwand für immer den Rücken gekehrt hat. Der König hat abgedankt, lang lebe der König.