14.08.2010 06:16 Uhr - Geboren wird Thomas Sean Connnery am 25. August 1930 im schottischen Edinburgh. Eine Zeit lang weiß der junge "Tommy" nicht so recht, was aus ihm werden soll: Mit 13 rebelliert er, bricht die Schule ab. Er arbeitet als Milchmann, als Lastwagenfahrer, sogar Särge poliert er. Der junge Connery ist ein zurückgezogener Junge. Er ist groß und schlacksig und viel zu schüchtern, um Mädchen anzusprechen. Für ein paar Shilling wird er Mitglied in einem Fitnessstudio und fängt an zu trainieren. Nachts schäft er in den Särgen, die er tagsüber poliert. Bereits im zarten Alter von 21 leidet er an Haarausfall, was ihm große Unsicherheit beschert. Er versucht, der Situation mit allerlei Tinkturen Herr zu werden, doch umsonst. Connery rebelliert weiter. Er gerät in Schlägereien und sein Training macht sich bezahlt. Bald gilt er als einer, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. In den frühen Fünfzigern findet er einen Job als Bühnenarbeiter im renommierten King's Theatre in Edinburgh und entwickelt eine Faszination für die Schauspielerei. Er wird für den Film entdeckt, und spielt unter anderem in dem Abenteuerfilm
Operation Tiger (1957) von Regisseur Terence
Sean Connery und Lina Turner - Herz ohne Hoffnung
Young. Bei den Dreharbeiten des Melodramas
Herz ohne Hoffnung (1958) lernt er Hollywood-Star Lana Turner kennen. Turners Freund, der höchst eifersüchtige Johnny Stompanato (der als Bodyguard für den amerikanischen Mafiaboss Mickey Cohen arbeitet), fliegt zu den Dreharbeiten nach London, weil er fälschlicherweise glaubt, Turner hätte eine Affäre mit Connery. Er stürmt mit einer Pistole an den Set, aber Connery knickt ihm einfach das Handgelenk um und schlägt den Tobenden K.O.
Bond lieben und hassenIn den frühen Sechzigern nimt Connerys Karriere eine plötzliche Wendung. Die Produzenten Harry Saltzman und Albert Broccoli besorgen sich die Filmrechte einer Romanserie um den fiktiven britischen Geheimagenten James Bond aus der Feder von Ian Fleming. Die Romane verkaufen sich anfangs nur schleppend, doch als US-Präsident John F. Kennedy sich als James-Bond-Fan outet, werden sie zu Bestsellern. Saltzman und Broccoli beschließen, mindestens vier Filme zu entwickeln. So beginnt die Suche nach einem geeigneten Hauptdarsteller. Ihr Wunschdarsteller, Cary Grant, lehnt ab. Doch Regisseur Terence Young, der ein paar Jahre zuvor an
Operation Tiger gearbeitet hatte, hat eine Idee: Sean Connery. Als dieser zum Casting kommt, sind die Produzenten begeistert. Sie schauen aus dem Fenster und sehen, wie er über die Straße auf ihr Büro zugeht. Sein Sex-Appeal, seine "katzenhafte" Art, sich zu bewegen, sein vor Selbstvertrauen strotzender Gang überzeugen sie. Noch bevor er an die Tür klopft, hat Connery die Rolle. Er strahlt die nötige Brutalität eines Straßenschlägers aus, nur fehlt ihm noch die Eleganz der Romanfigur. Regisseur Terence Young nimmt ihn unter seine Fittiche, bringt ihm bei, wie er sich als James Bond zu kleiden und zu reden hat, welche Weine Bond bestellt und wie er sein Besteck benutzt. Der erste Film ist
James Bond Sean Connery und Ursula Andress in James Bond jagt Dr. No
jagt Dr. No aus dem Jahr 1962. Er wird getragen von der prägnanten Titelmelodie von John Barry und den phänomenalen Bauten von Bühnenbildner Ken Adam. Und natürlich von Connery. Gedreht wird in England und Jamaika. Sean Connery, der bereits jetzt eine Halbglatze hat, trägt ein Toupet - wie in allen Bond-Filmen. Als die Hauptdarstellerin, Ursula Andress, in einem knappen, weißen Bikini am Strand aus den Fluten des Meeres steigt, wird klar dass
Dr. No anders wird als frühere britische Filme, Mit James Bond bricht eine neue Ära an. Auch für Connery. "Er mag guten Wein, gutes Essen und Frauen. Er ist unmoralsich", so Connnery in einem Interview mit der Zeitung
Sunday Express über seine Figur. Connery gefällt sich als Bond, er schwärmt von dessen "grausamer und sadistischer" Seite. "Ich finde nichts falsch daran, eine Frau zu schlagen", plaudert er gegenüber der Reporterin Susan Barnes aus, während er an einem Glas Wodka nippt. "Nur darf man nicht so zuschlagen wie bei einem Mann. Aber eine Ohrfeige mit offener Hand ist manchmal durchaus gerechtfertigt." Es folgen die Hits
Liebesgrüße aus Moskau (1963),
Goldfinger (1964),
Feuerball (1965),
Man lebt nur zweimal (1967) und
Diamantenfieber (1971). Connery ist der geborene Bond. Doch trotz aller Identifizierung mit der Rolle wird es ihm bald zu viel: James Bond machte ihn zu einem Superstar - und hält ihn gefangen. Immer wieder dreht er Filme, die mit Bond nichts zu tun
Filmplakat zu Ein Haufen toller Hunde
haben, zum Beispiel Sidney Lumets hervorragenden
Ein Haufen toller Hunde (1965) und Alfred Hitchcocks
Marnie (1964). Doch zu Beginn hat er nur mäßigen Erfolg.
Marnie zum Beispiel ist ein Flop. Die
New York Times nennt den Film eine "Enttäuschung", das Nachrichtenmagazin
Time nennt Connnery "kompetent, aber farblos". Bei den Dreharbeiten zu dem Film
Die Strohpuppe (1964) kommt es zu Konflikten am Set, unter anderem zwischen Connery und seinem Co-Star Gina Lollobrigida. Auch dieser Film fällt bei Kritikern und Publikum durch. Connery fühlt sich gedemütigt. Ihm wird klar, dass sich die Menschen nur für James Bond interessieren - nicht für Sean Connery. "Ich will nicht mehr Bond sein. Es macht mich rasend, wenn die Menschen mich Bond nennen", schimpft er.
Das wird wohl auch der Grund sein, warum er 1973 die für damalige Verhältnisse astronomische Summe von 5,5 Millionen US-Dollar für den Bond-Film
Leben und sterben lassen (1973) ablehnt. Die Rolle geht stattdessen an Roger Moore.
Das war der zweite Teil des Specials. In der nächsten Woche zeigen wir ihnen im dritten und letzten Teil, wie Connery nach der Bond Ära von einem Flop in den nächsten gerät, und erst langsam wieder zum Erfolg zurück findet, schließlich aber sogar in den Rang eines Sir erhoben wird und sich ein Denkmal als ein ganz Großer der Kinoleinwand setzt.