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Donnie Darko, Kino, Transformers
Kunst und Kommerz im Kino
Wo hört die Filmkunst auf, und wo fängt der Kommerz an? Eine Frage, die seit den Anfängen der Filmkunst zur Diskussion anregt. Im heutigen Special wagen wir einen Versuch, Kunst und Kommerz voneinander abzugrenzen.
31.07.2010 07:49 Uhr - Dabei bestehen zunächst einige grundlegende Problematiken. Zum einen sind die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz fließend und es gibt einen gewissen Graubereich zwischen diesen Grenzen. Darüber hinaus ist die Begriffsbedeutung von "Kunst" und die damit verbundene Kunstauffassung einem starken Wandel unterworfen. Außerdem ist es schwierig, in so einem emotional geprägten Themenbereich das notwendige Maß an Sachlichkeit zu bewahren. Mit all dem im Hinterkopf wird es etwas leichter, wenn man das Thema von hinten aufrollt: also erst einmal festlegt, was Kommerz oder auf Neudeutsch "Mainstream" ist. Damit ist nicht gemeint, dass derartige Filme schlecht sein müssen - es bedeutet lediglich, dass sie eben keine Kunst sind.
Typische Merkmale des Kommerzkinos
Am einfachsten zu erkennen sind Kommerzfilme am wenig innovativen Drehbuch. Im Normalfall handelt es sich dabei um eine möglichst einfache Geschichte, die dem klassischen Erzählkino entspricht: "Ein Held zieht aus, die Welt zu verändern ...". Früher war die geschlossene Struktur dafür charakteristisch; das heißt, der Film hat einen einleitenden Anfang und ein abschließendes Happy End, damit der Zuschauer möglichst mit einem zufriedenen, wohligen Gefühl nach Hause gehen kann. Heutzutage wird im Mainstream jedoch noch ein Cliffhanger angehängt, um so eine eventuelle Fortsetzung des Films zu bewerben. So wird jedoch das obligatorische Happy End am Schluss nur hinausgezögert und nicht, wie in den meisten anspruchsvollen Filmen, eine Aussage getätigt. Charakteristisches Merkmal vom klassischen Erzählkino sind auch Inhalte wie: "Gut gegen Böse", "boy meets girl" und "sex and crime". Dafür gibt es zahllose Beispiele: Twilight, Titanic, Spiderman und Mission Impossible - aber auch Klassiker wie Vom Winde verweht, Casablanca und Rio Bravo. Ein Blockbuster, die Königsdisziplin des Mainstream, wird vor allem durch aggressives Marketing geschaffen. Kommerziellen Erfolg wie bei Transformers, Shrek, Harry Potter oder Star Wars erzielt man heutzutage zudem durch Anpassung an den Massengeschmack. Man reduziert die Geschichte auf den "kleinsten gemeinsamen Nenner", eben Dinge, die allen gefallen - wie Action, Slapstick, Sex und Bad-Taste-Humor - und erreicht so die größtmögliche Anzahl an Zuschauern.
Die andere Seite
Die zuvor beschriebene Vorgehensweise ist etwas, was für den FIlmemacher mit Anspruch hingegen nur schwer mit seinen Vorstellungen und Zielen vereinbar ist. Seine Motivation verlangt danach, etwas eigenes zu schaffen, eine persönliche Geschichte zu erzählen oder eine Botschaft zu übermitteln. Und das ist es somit auch, womit sich Kunst am simpelsten definieren lässt: die Originalität des Werks. Es ist etwas Besonderes, das es in der Art vorher noch nicht gegeben hat. Das kann sowohl etwas komplett Neues sein - wie die besondere Bildsprache von Stalker, Bladerunner und Shining - oder aber ein exzeptionelles Drehbuch wie bei Moon, Donnie Darko oder Dolls. Es ist auch möglich, althergebrachte Filmelemente neu zu interpretieren und dadurch einen außergewöhnlichen Effekt zu erzielen - wie es zum Beispiel Sergio Leone mit seinem brutalen Italowestern getan hat, oder Akira Kurosawa mit seinen japanischen Versionen von Shakespeare-Dramen. Man denke bloß an die sepia-farbenen Katastophenlandschaften aus Stalker, die einen bleibenden Eindruck von Verfall und Vergänglichkeit hinterlassen. Oder an die ungewöhnlich gute Umsetzung der literarischen Vorlage von Der Name der Rose durch Jean-Jaques Annaud, der dem Publikum ein glaubhaftes Abbild des Mittelalters vermittelt: mit all dem Müll, dem Dreck und der grausamen Armut außerhalb der Klostermauern. Der Name der Rose oder etwa Der Pate sind auch gute Beispiele dafür, dass anspruchsvolle Filmkunst und Erfolg bei einem breiten Publikum sich nicht grundlegend widersprechen müssen. Gemeinsam bleibt diesen künstlerisch anspruchsvollen Filmen jedoch, dass jemand im Verlauf ihrer Produktion mehr als "nur" den kommerziellen Erfolg gesucht hat. Diese künstlerische Motivation und die Ambition, etwas wirklich Neues zu kreieren, sind die wichtigsten Unterschiede von Kunst zum Rest der Filmlandschaft. Oder um es auf einen einfachen Nenner zu reduzieren: Filmkünstler legen Wert auf Inhalt, Bildsprache und Botschaft - Mainstreamproduzenten interessiert hingegen nur der größtmögliche Erfolg.
Das Fazit
Die Einordnung von Filmen nach diesem Schema, die Klassifizierung ihres künstlerischen Wertegrads bleibt dennoch schwierig, da die Grenzen, wie eingangs erwähnt, fließend sind. Oft kann der Zuschauer diese Entscheidung nur für sich persönlich fällen. Leider werden viele Filme mit Anspruch vom breiten Publikum von vornherein gemieden und gehen in dem Wust des Mainstreams unter. Schön wäre es in Zeiten von Mega-Blockbustern wie Avatar und Harry Potter, wenn mehr Kinogänger zumindest gelegentlich dem kleinen künsterlischen Film bewusster eine Chance gäben, anstatt sich nur mit Unterhaltungsabenteuern zuzudröhnen, bis die Happy Ends den Verstand vernebeln.
Ein Vergleich
Um alles noch einmal zu illustrieren, zum Schluss noch ein Vergleich von Transformers und Donnie Darko, die beide representativ für Kommerz auf der einen, und Kunst auf der anderen Seite stehen:
Transformers:
Thematik: Die Geschichte ist 08/15-Erzählkino: Held erobert seine große Liebe und rettet die Welt vor dem Bösen. Es gibt einen einleitenden Anfang (Die Erzählung der Hintergrundgeschichte), einen MacGuffin (ein scheibar wichtiges, aber tatsächlich funktionsloses Ding, das dem Erzählfluss dient - in diesem Fall ein Würfel) und ein Happy End (Welt gerettet)
Struktur: Im Gegensatz zum klassischen Erzählkino endet dieser Streifen mit einem für moderne Filme typischen Schluss: erst ein Happy End, und dem wird dann noch ein Cliffhanger angehängt. Dieser ist nicht zu verwechseln mit einem echten offenen Schluss, der für das Independentkino charakteristisch ist.
Merchandising: Es gibt eine große Merchandising-Maschinerie, die es nur auf den kommerziellen Erfolg abgesehen hat.
Gut und Böse: Das klassische Schwarz-Weiß-Denken wird propagiert: Alle Guten sind immer gut, alle Bösen immer böse. Es gibt keine Grauzonen, keine Neutralität und keine Abstufungen dazwischen.
Donnie Darko:
Thematik: Kein leicht verdauliches Erzälkino: der "Held" ist geplagt von Selbstzweifeln und trägt seine Kämpfe im Inneren, also unsichtbar für den Zuschauer aus. Seine Entwicklung und das Ende sind nicht vorhersehbar, es gibt auch kein Happy End, denn der Held stirbt zum Schluss.
Struktur: Viel an Donnie Darko ist ungewöhnlich, schon der Anfang ist keine einfache Einleitung, sondern wird erst allmählich erklärt. Hinter der Geschichte steckt ein im Detail durchkonstruiertes Universum, bei dem alles einen Sinn hat, aber erst im Nachhinein (oder auch gar nicht) verstanden wird.
Merchandising: Es gibt kein Merchandising zum Film, oder so gut wie keines, und auch keine Fortsetzung (zumindest nicht vom Regisseur geplant).
Gut und Böse: Der Fim wendet sich gegen die einfache Kategorisierung der Welt und gegen Schubladendenken. Niemand ist nur gut oder böse, ein jeder trägt in sich die Anlagen für beides und muss jede Entscheidung neu überdenken und abwägen.
Typische Merkmale des Kommerzkinos
Am einfachsten zu erkennen sind Kommerzfilme am wenig innovativen Drehbuch. Im Normalfall handelt es sich dabei um eine möglichst einfache Geschichte, die dem klassischen Erzählkino entspricht: "Ein Held zieht aus, die Welt zu verändern ...". Früher war die geschlossene Struktur dafür charakteristisch; das heißt, der Film hat einen einleitenden Anfang und ein abschließendes Happy End, damit der Zuschauer möglichst mit einem zufriedenen, wohligen Gefühl nach Hause gehen kann. Heutzutage wird im Mainstream jedoch noch ein Cliffhanger angehängt, um so eine eventuelle Fortsetzung des Films zu bewerben. So wird jedoch das obligatorische Happy End am Schluss nur hinausgezögert und nicht, wie in den meisten anspruchsvollen Filmen, eine Aussage getätigt. Charakteristisches Merkmal vom klassischen Erzählkino sind auch Inhalte wie: "Gut gegen Böse", "boy meets girl" und "sex and crime". Dafür gibt es zahllose Beispiele: Twilight, Titanic, Spiderman und Mission Impossible - aber auch Klassiker wie Vom Winde verweht, Casablanca und Rio Bravo. Ein Blockbuster, die Königsdisziplin des Mainstream, wird vor allem durch aggressives Marketing geschaffen. Kommerziellen Erfolg wie bei Transformers, Shrek, Harry Potter oder Star Wars erzielt man heutzutage zudem durch Anpassung an den Massengeschmack. Man reduziert die Geschichte auf den "kleinsten gemeinsamen Nenner", eben Dinge, die allen gefallen - wie Action, Slapstick, Sex und Bad-Taste-Humor - und erreicht so die größtmögliche Anzahl an Zuschauern.
Die andere Seite
Die zuvor beschriebene Vorgehensweise ist etwas, was für den FIlmemacher mit Anspruch hingegen nur schwer mit seinen Vorstellungen und Zielen vereinbar ist. Seine Motivation verlangt danach, etwas eigenes zu schaffen, eine persönliche Geschichte zu erzählen oder eine Botschaft zu übermitteln. Und das ist es somit auch, womit sich Kunst am simpelsten definieren lässt: die Originalität des Werks. Es ist etwas Besonderes, das es in der Art vorher noch nicht gegeben hat. Das kann sowohl etwas komplett Neues sein - wie die besondere Bildsprache von Stalker, Bladerunner und Shining - oder aber ein exzeptionelles Drehbuch wie bei Moon, Donnie Darko oder Dolls. Es ist auch möglich, althergebrachte Filmelemente neu zu interpretieren und dadurch einen außergewöhnlichen Effekt zu erzielen - wie es zum Beispiel Sergio Leone mit seinem brutalen Italowestern getan hat, oder Akira Kurosawa mit seinen japanischen Versionen von Shakespeare-Dramen. Man denke bloß an die sepia-farbenen Katastophenlandschaften aus Stalker, die einen bleibenden Eindruck von Verfall und Vergänglichkeit hinterlassen. Oder an die ungewöhnlich gute Umsetzung der literarischen Vorlage von Der Name der Rose durch Jean-Jaques Annaud, der dem Publikum ein glaubhaftes Abbild des Mittelalters vermittelt: mit all dem Müll, dem Dreck und der grausamen Armut außerhalb der Klostermauern. Der Name der Rose oder etwa Der Pate sind auch gute Beispiele dafür, dass anspruchsvolle Filmkunst und Erfolg bei einem breiten Publikum sich nicht grundlegend widersprechen müssen. Gemeinsam bleibt diesen künstlerisch anspruchsvollen Filmen jedoch, dass jemand im Verlauf ihrer Produktion mehr als "nur" den kommerziellen Erfolg gesucht hat. Diese künstlerische Motivation und die Ambition, etwas wirklich Neues zu kreieren, sind die wichtigsten Unterschiede von Kunst zum Rest der Filmlandschaft. Oder um es auf einen einfachen Nenner zu reduzieren: Filmkünstler legen Wert auf Inhalt, Bildsprache und Botschaft - Mainstreamproduzenten interessiert hingegen nur der größtmögliche Erfolg.
Das Fazit
Die Einordnung von Filmen nach diesem Schema, die Klassifizierung ihres künstlerischen Wertegrads bleibt dennoch schwierig, da die Grenzen, wie eingangs erwähnt, fließend sind. Oft kann der Zuschauer diese Entscheidung nur für sich persönlich fällen. Leider werden viele Filme mit Anspruch vom breiten Publikum von vornherein gemieden und gehen in dem Wust des Mainstreams unter. Schön wäre es in Zeiten von Mega-Blockbustern wie Avatar und Harry Potter, wenn mehr Kinogänger zumindest gelegentlich dem kleinen künsterlischen Film bewusster eine Chance gäben, anstatt sich nur mit Unterhaltungsabenteuern zuzudröhnen, bis die Happy Ends den Verstand vernebeln.
Ein Vergleich
Um alles noch einmal zu illustrieren, zum Schluss noch ein Vergleich von Transformers und Donnie Darko, die beide representativ für Kommerz auf der einen, und Kunst auf der anderen Seite stehen:
Transformers:
Thematik: Die Geschichte ist 08/15-Erzählkino: Held erobert seine große Liebe und rettet die Welt vor dem Bösen. Es gibt einen einleitenden Anfang (Die Erzählung der Hintergrundgeschichte), einen MacGuffin (ein scheibar wichtiges, aber tatsächlich funktionsloses Ding, das dem Erzählfluss dient - in diesem Fall ein Würfel) und ein Happy End (Welt gerettet)
Struktur: Im Gegensatz zum klassischen Erzählkino endet dieser Streifen mit einem für moderne Filme typischen Schluss: erst ein Happy End, und dem wird dann noch ein Cliffhanger angehängt. Dieser ist nicht zu verwechseln mit einem echten offenen Schluss, der für das Independentkino charakteristisch ist.
Merchandising: Es gibt eine große Merchandising-Maschinerie, die es nur auf den kommerziellen Erfolg abgesehen hat.
Gut und Böse: Das klassische Schwarz-Weiß-Denken wird propagiert: Alle Guten sind immer gut, alle Bösen immer böse. Es gibt keine Grauzonen, keine Neutralität und keine Abstufungen dazwischen.
Donnie Darko:
Thematik: Kein leicht verdauliches Erzälkino: der "Held" ist geplagt von Selbstzweifeln und trägt seine Kämpfe im Inneren, also unsichtbar für den Zuschauer aus. Seine Entwicklung und das Ende sind nicht vorhersehbar, es gibt auch kein Happy End, denn der Held stirbt zum Schluss.
Struktur: Viel an Donnie Darko ist ungewöhnlich, schon der Anfang ist keine einfache Einleitung, sondern wird erst allmählich erklärt. Hinter der Geschichte steckt ein im Detail durchkonstruiertes Universum, bei dem alles einen Sinn hat, aber erst im Nachhinein (oder auch gar nicht) verstanden wird.
Merchandising: Es gibt kein Merchandising zum Film, oder so gut wie keines, und auch keine Fortsetzung (zumindest nicht vom Regisseur geplant).
Gut und Böse: Der Fim wendet sich gegen die einfache Kategorisierung der Welt und gegen Schubladendenken. Niemand ist nur gut oder böse, ein jeder trägt in sich die Anlagen für beides und muss jede Entscheidung neu überdenken und abwägen.
(Roman Nitsche)
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