06.06.2010 06:59 Uhr - Ist die Menschheit eigentlich noch zu retten? Glaubt man aktuellen Science-Fiction-Filmen, dann flanieren bald nur noch Avatare über die Erde. Deren humane Lenker waren in Surrogates und Avatar noch relativ friedliche Teilhaber am Leben ihrer Substitute. In
Gamer hingegen hocken sie nur noch geifernd vor dem Heimcomputer und schicken ihre virtuellen Marionetten in makabre Abenteuer.
Loading … Die Welt, in der die Handlung spielt, ist ein Panoptikum der Perversionen. Die vollends verrohte Bevölkerung frönt Online-Games, in denen reale Menschen via Gehirnimplantat als Cyber-Sklaven fungieren. Einer dieser virtuellen Hampelmänner ist der Häftling Kable. Er kämpft im Ballerspiel "Slayers" um seine Freiheit: Übersteht er 30 Runden, darf er gehen. Kable schafft es jedoch, vorher auszubrechen, und begibt sich auf Rachefeldzug. Erst will er seine Frau befreien, die in einer Simulation namens Society für abartige Fantasien herhalten muss. Danach soll es dem Erfinder der gemeinen Webgames an den Kragen gehen.
Game Over Das Werk des infernalischen Regieduos Mark Neveldine und Brian Taylor ist zynischer Nihilismus pur. Wie schon in den
Crank-Filmen inszenierten Neveldine und Taylor gewollt geschmacklos. Ihre Kamera ist hyperaktiv, die Bilder zum Teil kreischend bunt. Doch hinter dem grellen Getöse steckt mehr. Der Film will nicht belehren, sondern vielmehr einen höhnischen Kommentar auf eine Welt abliefern, die dem Abgrund entgegensteuert. Der Mix aus
Das Millionenspiel, Running Man und
Death Race ist zwar als plattes Krawallspektakel angelegt, andererseits liefert er ein interessantes Porträt der zunehmend verblödenden Menschheit.
Bonus-Level Als einer der ersten vollständig auf dem digitalen Kamera-System RED gedrehten Streifen, macht
Gamer auf Blu-ray optisch einen sensationellen Eindruck. Eines der Bonus-Features dreht sich daher dann auch um RED. Highlight der Blu-ray-Extras ist allerdings der iCon-Mode. Dahinter verbirgt sich ein Making-of-Featurette, das während des Films aktivierbar ist. Allerdings werden nicht einfach Infos oder Behind-the-Scenes-Material eingeblendet. Vielmehr hält die Handlung an vielen Stellen im Film an und die Regisseure höchstpersönlich gehen auf Details, Entstehung oder Besonderheiten der aktuellen Szene ein. Dadurch wird Gamer zum hochinteressanten Behind-the-Scenes-Filmerlebnis.
(Thomas Raab)