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2012, Roland Emmerich
"Man dreht ein bisschen durch": Interview mit den Kreativköpfen Volker Engel und Marc Weigert zu Emmerichs "2012"
Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Volker Engel nun schon mit Roland Emmerich zusammen. Bei den Arbeiten zu Independence Day stieß 1993 noch Marc Weigert zu dem kreativen Duo hinzu. Wir sprachen mit den beiden Special-Effects-Pionieren über 2012, ihre Arbeit und die Zukunft des Kinos.
Herr Engel, Sie haben mit Roland Emmerich schon für Moon 44 zusammengearbeitet. Was hat sich seitdem verändert?
Engel: Nix, ist immer noch das Gleiche. [lacht] Nein, im Grunde ist die Antwort zweigeteilt. Die Budgets sind natürlich nicht mit damals zu vergleichen und die Arbeitsweise und -abläufe sind heutzutage ganz anders. Allein darüber könnte man jetzt stundenlang diskutieren. Die Aufgabenstellung bei Moon 44, das ja jetzt schon über 22 Jahre her ist – so lange kenne ich auch Roland Emmerich schon –, war eine völlig andere. Damals musste ich viel mehr selbst ausprobieren und austesten. Das wäre vergleichbar damit, wenn ich heute, vielleicht sogar noch mit Roland zusammen, neue Software schreiben und direkt am Monitor testen würde. Damals bauten wir jede Menge Modelle und bastelten Mondlandschaften, bei denen Roland selbst den Spachtel anlegte. Auf das aktuelle Projekt von Roland, Anonymous, ist das Arbeiten von damals zwar nicht direkt übertragbar, aber im Grunde machen wir aktuell auch wieder ganz neue Erfahrungen. Wir müssen schließlich das London des 16. Jahrhunderts erschaffen und arbeiten wieder in einem kleinen Team. Zum Vergleich: Bei 2012 haben über tausend Leute verschiedener Firmen an den Effekten gearbeitet. Dadurch sind beim neuen Projekt von Roland die Kommunikationswege kürzer und die Arbeit wieder viel direkter.
Anonymous wird ja ein Historien-Thriller, in puncto Effekte also eher ein Leichtgewicht im Vergleich zu 2012?
Engel: Das sollte man nie unterschätzen, aber wir scherzen schon die ganze Zeit, dass wir wenigstens nichts kaputt machen müssen. Bei 2012 war das eine Wahnsinnsarbeit. Jetzt haben wir aber mal die Zeit, uns alles in Ruhe anzusehen, weil es sich ja um eher ruhige Shots handelt, bei denen wir Landschaften, Häuser oder Set-Extensions kreieren. Trotzdem kommen wir auf rund 350 Effect-Shots. Aber gerade bei einer solchen Produktion muss man sehr genau und detailliert arbeiten, weil das Auge genau weiß, wie ein englisches Herrenhaus auszusehen hat. Der Faktor des Fotorealismus ist dieses Mal also immens. Schließlich soll unser Film ja nicht wie ein Tim-Burton-Werk aussehen, die ja meistens eine sehr überhöhte Realität auszeichnet.
Weigert: Was man nicht vergessen darf: Da sich alles in einem viel kleineren Rahmen abspielt, steht natürlich auch weniger Budget zur Verfügung und das Team ist entsprechend kleiner. Dieser Umstand stellt dann ganz andere Anforderungen an den Einzelnen. Die Qualität, die Roland kennt und ihn auszeichnet, muss trotzdem geschaffen werden. Und 350 bis 400 Effect Shots sind nicht wenig. Im Vergleich: Independence Day kam mit der gleichen Anzahl aus.
Special Effects verschlingen meisten sehr viel Geld. Ist es da von Vorteil, gleichzeitig Produzent eines Films zu sein?
Engel: Das hat natürlich den Vorteil, dass man immer an vorderster Front dabei ist und schon sehr früh in den Entstehungsprozess des Films involviert ist. Weil wir Roland schon so lange kennen, werden wir automatisch in wichtige Entscheidungen mit einbezogen.
Weigert: Das sind insbesondere Entscheidungen, die sehr übergreifend sind und bei denen ein reiner Special Effects Supervisor nicht unbedingt etwas zu sagen hätte. Das fängt beim Ablauf der Dreharbeiten an – welche Kameras kommen zum Einsatz etc. – und geht bis zur Beleuchtung und den Set-Bauten weiter. Für uns ist das also insgesamt ein viel größeres Feld, aber auch eine größere Verantwortung. Unsere Meinung hat einfach mehr Gewicht.
Gab es bei 2012 Ideen, die trotz allem technischen Fortschritt nicht umgesetzt werden konnten?
Engel/Weigert: Nein. Gab es nicht. Alles ist möglich.
Steckt bei Filmen wie 2012 letztlich mehr Arbeitszeit in der Effektarbeit als in den eigentlichen Dreharbeiten?
Engel: Oh ja, ganz klarer Fall. Ich muss da eine kleine Anekdote erzählen, unser Kameramann Dean Semler wird das Interview ja nicht lesen [lacht]: Als eine erste deutsche Pressemitteilung zu 2012 rausgeschickt wurde, stand da, dass die beeindruckenden Bilder von Kameramann Dean Semler stammen würden. Wir konnten es uns nicht verkneifen, gleich darauf zu antworten, dass die wirklich beeindruckenden Bilder von uns stammen und Dean nur die Schauspieler vor Blue-Screen aufgenommen hat. Im Grunde basierte die gesamte Kampagne zum Film – Poster, Trailer – auf Effect Shots.
Weigert: Was die zeitliche Komponente betrifft, kann man sagen, dass sich die reinen Dreharbeiten über etwa fünf Monate erstreckten. Die Arbeit an den Effekten begann schon weit vor den Dreharbeiten und umfasste rund 16 Monate.
Was war die aufwendigste Sequenz bei 2012?
Engel: Da gab es mehrere. Das Erdbeben in Los Angeles war natürlich aufgrund seiner Komplexität eine besondere Herausforderung, aber auch die ungeheuren Wassermassen waren extrem aufwendig.
Können Sie die Darsteller schon am Set in irgendeiner Form unterstützen, wenn eine Szene sehr viele Effekte enthält, die beim Dreh natürlich noch nicht zu sehen sind?
Engel: Absolut. Für alle Sequenzen, die viele Effekte beinhalten, werden Prävisualisierungs-Sequenzen angefertigt. Das kann im Grunde wie eine Billigversion von Toy Story aussehen. Roland, aber auch den Schauspielern stehen diese am Set immer zur Verfügung und sie werden immer wieder gezeigt und vor den eigentlichen Takes noch einmal angesehen.
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| WHITE HOUSE DOWN: Channing Tatum für Hauptrolle im Gespräch (News, 15.05.2012) | |
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| Sein oder nicht sein - Unser Special zur Shakespeare-Spekulation "Anonymus" (Special, 22.10.2011) | |
| Anonymous - Trailer (News, 08.04.2011) | |
| Independence Day 2 und 3: Will Smith kurz vor Unterschrift (News, 30.03.2010) | |
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