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Eli Roth, Inglourious Basterds / Inglorious Bastards
Interview mit Basterds-Star Eli Roth: "Nazis zu töten, erfüllte mich mit Genugtuung"
Für seinen Freund Quentin Tarantino schlüpfte Regisseur Eli Roth (Cabin Fever) in die Rolle des Nazi-Jägers Donnie Donowitz. Doch Roth drehte für Inglourious Basterds auch den Propaganda-Film Stolz der Nation. Wir sprachen mit ihm über die Basterds, Tarantino und Nazis.
27.02.2010 18:04 Uhr -
Was ist anstrengender: in einem Tarantino-Film mitzuspielen oder selbst einen Film zu drehen?
Die Dreharbeiten zu Basterds waren anstrengend und sehr intensiv. Ich habe den Unterschied zwischen Schauspielern und Regieführen erst jetzt am eigenen Leib erfahren. Wenn ich in einem Horrorfilm eine heftige Szene drehen lasse, dann muss sie perfekt sein, weil es die Fans erwarten. Wenn alles klappt, ist man erleichtert und geht am Ende des Tages etwas trinken.
Und das Spielen solcher Szenen ist anstrengender?
Na ja, wenn ich bei Basterds bei einer Ermordungsszene mitgespielt habe, dann war das eine sehr persönliche Erfahrung für mich. Ich bin Jude und meine Großeltern kamen aus Österreich und Polen. Alle Familienmitglieder, die während des Zweiten Weltkrieges nicht aus Europa herauskamen, wurden im Holocaust getötet. Wir wuchsen mit diesem Wissen auf. Mein Charakter, den ich im Film spiele, musste daher echte Gefühle haben. Donnie ist ein jüdischer Krieger, der für alle kämpft, die sich nicht selbst wehren können. Ich hatte das Gefühl, diese Rolle für meine getöteten Verwandten zu spielen. Dafür musste ich die schlimmsten Erfahrungen in meinem Leben in mein Gedächtnis rufen und mir vorstellen, dass sie eben erst passiert wären. Am Ende des Drehtages, wenn alle glücklich waren, dass die Szenen im Kasten waren, war ich völlig am Ende, weil ich mich so sehr in die Rolle hineinversetzt habe. Ich brauchte Wochen, um das zu verarbeiten. Die Regiearbeiten an „Stolz der Nation“, dem Propaganda-Film im Film, brachten mich aber zum Glück auf andere Gedanken.
Aber war das dann nicht auch sehr schwierig? Ein Nazi-Propaganda-Film ...
Nein, es war großartig und sehr befreiend. Wir drehten zwar einen Propaganda-Film, wollten damit aber auch eine Aussage treffen. Wir wollten die Absurdität der Nazis und ihrer Selbstverherrlichung zeigen. Je absurder der Film wurde, desto dämlicher wirkten die Nazis. Es war brillant von Quentin, einen Juden einen Nazi-Propaganda-Film drehen zu lassen.
Ein Aspekt von
Basterds ist die Macht des Kinos …
Ja, denken Sie nur einmal an diese Propaganda-Filme. Die Leute damals waren verunsichert, böse und verzweifelt, aber erst diese Filme gaben den letzten Anstoß. Den Menschen wurde durch diese Streifen vorgegaukelt, was die Wahrheit ist. Viele glaubten, was sie sahen. Ein Kinofilm kann daher für gute und für schlechte Zwecke missbraucht werden. Basterds dreht sich aber auch um die Vorstellung, in der Zeit zurückzugehen und dem Terror von damals ein Ende zu bereiten. Viele Amerikaner denken zum Beispiel über den 11. September so. Sie wären gerne in diesen Flugzeugen und würden die Terroristen umnieten. Das ist im Grunde ein sehr menschliches Verhaltensmuster.
Das Töten von hohen Nazi-Offizieren war also so eine Art Wunscherfüllung?
Ja, es gab mir Genugtuung, zu sehen, wie Nazis in die Luft gejagt wurden. Ich sagte zu Quentin, dass ich die Nazis nicht nur erschießen will. Ich wollte so lange auf sie eindreschen, bis ihre Köpfe explodieren, und sie anschließend noch in die Luft sprengen … nur um sicherzugehen.
Sahen das Ihre Kollegen ähnlich?
Wissen Sie, was das Größte war? Jeder, den ich in Deutschland bei den Dreharbeiten getroffen habe, dachte genauso. Ich war schon öfters in Berlin, lebte aber noch nie länger dort, kannte die Kultur nicht. Wir Amerikaner haben von Deutschland und dem Krieg immer nur von unseren Eltern oder Großeltern gehört, den Überlebenden. Aber ich möchte wirklich an alle Amerikaner appellieren, einmal nach Deutschland oder Berlin zu reisen, um am eigenen Leib zu erfahren, wie sich die Menschen dort verändert haben. Die Deutschen würden die Nazis genauso gerne töten wie wir. Die junge deutsche Generation fühlt sich von den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg genauso belastet wie wir Amerikaner. Bei meinen deutschen Schauspielkollegen konnte ich das beobachten: Wenn ich einen Nazi getötet habe, sahen sie mich an und meinten: „Kannst du das glauben? Wir bringen heute die Nazischweine um. Wir nieten die Arschlöcher einfach um.“ Auch die Deutschen würden das Nazi-Regime am liebsten aus ihrer Geschichte ausradieren. Und mit diesem Film passiert das.
Aber ist ein Film über den Zweiten Weltkrieg von Quentin Tarantino nicht schockierend für das Publikum?
Nein, wollen Sie mich verarschen? Es ist doch nur ein Klischee, dass ein Film über den Zweiten Weltkrieg andächtig sein muss, am besten mit Violinmusik und in Schwarz-Weiß. Ich will mich jetzt nicht über Schindlers Liste lustig machen, falls Sie das glauben. Das ist ein Film, den ich sehr mag. Aber allein die Tatsache, dass in Kriegsfilmen über Deutsche die Deutschen nicht ihre Sprache sprechen, ist doch absurd. Für viele Leute ist das seltsam und sogar anstößig. Man soll einen Film über den Zweiten Weltkrieg ernst nehmen, in dem Juden, so wie meine ermordeten Familienmitglieder, plötzlich mit britischem Akzent sprechen? Basterds ist ein Film, ein Kunstwerk, das nicht erziehen, sondern unterhalten will. Und Quentin ist der Einzige, der das Publikum ernst genug nimmt und sagt: „Hey, ihr seid clever, ihr könnt lesen. Also, lassen wir die Italiener Italienisch sprechen, die Franzosen Französisch und die Deutschen eben Deutsch. Kein anderer Regisseur hatte bisher den Mumm, das so durchzuziehen wie Quentin. Ich wünschte, es gäbe mehr Regisseure seines Kalibers.
Was ist anstrengender: in einem Tarantino-Film mitzuspielen oder selbst einen Film zu drehen?
Die Dreharbeiten zu Basterds waren anstrengend und sehr intensiv. Ich habe den Unterschied zwischen Schauspielern und Regieführen erst jetzt am eigenen Leib erfahren. Wenn ich in einem Horrorfilm eine heftige Szene drehen lasse, dann muss sie perfekt sein, weil es die Fans erwarten. Wenn alles klappt, ist man erleichtert und geht am Ende des Tages etwas trinken.
Und das Spielen solcher Szenen ist anstrengender?
Na ja, wenn ich bei Basterds bei einer Ermordungsszene mitgespielt habe, dann war das eine sehr persönliche Erfahrung für mich. Ich bin Jude und meine Großeltern kamen aus Österreich und Polen. Alle Familienmitglieder, die während des Zweiten Weltkrieges nicht aus Europa herauskamen, wurden im Holocaust getötet. Wir wuchsen mit diesem Wissen auf. Mein Charakter, den ich im Film spiele, musste daher echte Gefühle haben. Donnie ist ein jüdischer Krieger, der für alle kämpft, die sich nicht selbst wehren können. Ich hatte das Gefühl, diese Rolle für meine getöteten Verwandten zu spielen. Dafür musste ich die schlimmsten Erfahrungen in meinem Leben in mein Gedächtnis rufen und mir vorstellen, dass sie eben erst passiert wären. Am Ende des Drehtages, wenn alle glücklich waren, dass die Szenen im Kasten waren, war ich völlig am Ende, weil ich mich so sehr in die Rolle hineinversetzt habe. Ich brauchte Wochen, um das zu verarbeiten. Die Regiearbeiten an „Stolz der Nation“, dem Propaganda-Film im Film, brachten mich aber zum Glück auf andere Gedanken.
Aber war das dann nicht auch sehr schwierig? Ein Nazi-Propaganda-Film ...
Nein, es war großartig und sehr befreiend. Wir drehten zwar einen Propaganda-Film, wollten damit aber auch eine Aussage treffen. Wir wollten die Absurdität der Nazis und ihrer Selbstverherrlichung zeigen. Je absurder der Film wurde, desto dämlicher wirkten die Nazis. Es war brillant von Quentin, einen Juden einen Nazi-Propaganda-Film drehen zu lassen.
Ein Aspekt von
Basterds ist die Macht des Kinos …
Ja, denken Sie nur einmal an diese Propaganda-Filme. Die Leute damals waren verunsichert, böse und verzweifelt, aber erst diese Filme gaben den letzten Anstoß. Den Menschen wurde durch diese Streifen vorgegaukelt, was die Wahrheit ist. Viele glaubten, was sie sahen. Ein Kinofilm kann daher für gute und für schlechte Zwecke missbraucht werden. Basterds dreht sich aber auch um die Vorstellung, in der Zeit zurückzugehen und dem Terror von damals ein Ende zu bereiten. Viele Amerikaner denken zum Beispiel über den 11. September so. Sie wären gerne in diesen Flugzeugen und würden die Terroristen umnieten. Das ist im Grunde ein sehr menschliches Verhaltensmuster.
Das Töten von hohen Nazi-Offizieren war also so eine Art Wunscherfüllung?
Ja, es gab mir Genugtuung, zu sehen, wie Nazis in die Luft gejagt wurden. Ich sagte zu Quentin, dass ich die Nazis nicht nur erschießen will. Ich wollte so lange auf sie eindreschen, bis ihre Köpfe explodieren, und sie anschließend noch in die Luft sprengen … nur um sicherzugehen.
Sahen das Ihre Kollegen ähnlich?
Wissen Sie, was das Größte war? Jeder, den ich in Deutschland bei den Dreharbeiten getroffen habe, dachte genauso. Ich war schon öfters in Berlin, lebte aber noch nie länger dort, kannte die Kultur nicht. Wir Amerikaner haben von Deutschland und dem Krieg immer nur von unseren Eltern oder Großeltern gehört, den Überlebenden. Aber ich möchte wirklich an alle Amerikaner appellieren, einmal nach Deutschland oder Berlin zu reisen, um am eigenen Leib zu erfahren, wie sich die Menschen dort verändert haben. Die Deutschen würden die Nazis genauso gerne töten wie wir. Die junge deutsche Generation fühlt sich von den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg genauso belastet wie wir Amerikaner. Bei meinen deutschen Schauspielkollegen konnte ich das beobachten: Wenn ich einen Nazi getötet habe, sahen sie mich an und meinten: „Kannst du das glauben? Wir bringen heute die Nazischweine um. Wir nieten die Arschlöcher einfach um.“ Auch die Deutschen würden das Nazi-Regime am liebsten aus ihrer Geschichte ausradieren. Und mit diesem Film passiert das.
Aber ist ein Film über den Zweiten Weltkrieg von Quentin Tarantino nicht schockierend für das Publikum?
Nein, wollen Sie mich verarschen? Es ist doch nur ein Klischee, dass ein Film über den Zweiten Weltkrieg andächtig sein muss, am besten mit Violinmusik und in Schwarz-Weiß. Ich will mich jetzt nicht über Schindlers Liste lustig machen, falls Sie das glauben. Das ist ein Film, den ich sehr mag. Aber allein die Tatsache, dass in Kriegsfilmen über Deutsche die Deutschen nicht ihre Sprache sprechen, ist doch absurd. Für viele Leute ist das seltsam und sogar anstößig. Man soll einen Film über den Zweiten Weltkrieg ernst nehmen, in dem Juden, so wie meine ermordeten Familienmitglieder, plötzlich mit britischem Akzent sprechen? Basterds ist ein Film, ein Kunstwerk, das nicht erziehen, sondern unterhalten will. Und Quentin ist der Einzige, der das Publikum ernst genug nimmt und sagt: „Hey, ihr seid clever, ihr könnt lesen. Also, lassen wir die Italiener Italienisch sprechen, die Franzosen Französisch und die Deutschen eben Deutsch. Kein anderer Regisseur hatte bisher den Mumm, das so durchzuziehen wie Quentin. Ich wünschte, es gäbe mehr Regisseure seines Kalibers.
(Thomas Raab)
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