Manche Tür sollte geschlossen bleiben, denn man weiß nie, welche Gefahren dahinter lauern. Gleiches gilt auch für so manche DVD- beziehungsweise Blu-ray-Hülle, auf der ein FSK-6-Logo prangt. Henry Selicks neuester Stop-Motion-Streifen basiert zwar auf einem Kinderbuch und dürfte Sechsjährige in der ersten Hälfte auch nicht sonderlich schockieren. Der düster-morbide Grundtenor des Streifens und die durchaus schauerliche Entwicklung der Story werfen allerdings mehr als einmal die Frage auf, wer um Himmels Willen Kinder unter 12 Jahren diesem Film aussetzt. Die Argumentation, dass es sich im Prinzip um ein Märchen handelt und es in derartigen Erzählungen nie zimperlich zugeht, mag die niedrige Freigabe teilweise rechtfertigen, aber Regisseur Selick ist ein Meister der sinistren Schauergeschichten, die inhaltliche und inszenatorisch eher auf eine ältere Zielgruppe zugeschnitten sind.
Die andere Seite Coraline ist elf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern in ein altes Haus aufs Land ziehen muss. Während Mama und Papa ständig arbeiten und entweder langweilen oder nerven, beginnt Coraline, ihr neues Zuhause und seine gespenstische Umgebung zu erkunden. Dabei stößt sie auf das Plappermaul Wybie, den Enkel der Vermieterin, und eine kleine Tür, die sich eines Nachts als Zugang zu einer Parallelwelt entpuppt. Dort existiert ebenfalls das alte Haus, in dem aber ihre "anderen" Eltern leben. Coraline wird von ihnen liebevoll umsorgt es wird sich um sie gekümmert. Wybie kann nicht sprechen und nervt deswegen nicht und überhaupt fühlt sich Coraline dort viel wohler. Ein kleines Detail kommt ihr dann aber doch seltsam vor: Alle Personen in der anderen Welt haben kein Augen, sondern an deren Stelle angenähte Knöpfe. Als die andere Mutter alles tut, um Coraline bei sich zu behalten, und bereits zwei hübsche Knöpfe für Coraline ausgesucht hat, erkennt das Märchen die Gefahr, in der sie sich befindet. Doch es ist schon beinahe zu spät ...