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Die Päpstin (Review/Filmkritik)

Action:
Humor:
Spannung:
Erotik:
Anspruch:
Film-Wertung:

Filmkritik
20.10.2009 14:08 Uhr -
Die Päpstin Bild (3) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die katholische Kirche ist nicht gerade ein Fan des weiblichen Geschlechts. Aus Sicht des konservativen Klerus gelten Evas Töchter als sündige Unruhestifterinnen. Ob sich wohl manch erzreaktionärer Gottesdiener zurücksehnt nach jenen mittelalterlichen Zeiten, in denen man aufmüpfige Frauenzimmer auf dem Scheiterhaufen entsorgen konnte? Damals gab es schließlich noch keine Talkshows, in denen sich Emanzen öffentlich für Gleichberechtigung einsetzen konnten. Zeigte sich ein Weibsbild dennoch allzu umtriebig, so wurde es einfach nachträglich aus der Geschichtsschreibung radiert.
Derart verschwiegene Damen waren schon öfter Gegenstand diverser Belletristik-Bestseller. Man denke etwa an die Geschichte von Maria Magdalena in Dan Browns Sakrileg oder an Donna Woolfolk Cross‘ Roman Die Päpstin.

Die Päpstin Bild (6) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Letzterer war die Vorlage für die nun im Kino anlaufende Verfilmung. Die Story dreht sich um den Werdegang des einfachen Mädchens Johanna, das im Jahre 853 Papst geworden sein soll. Ihre Regentschaft bleibt jedoch ein historisches Mysterium. Johannas Existenz kann weder eindeutig bewiesen noch widerlegt werden. Ihr Amt ist zwar in über 500 Chroniken erwähnt, dennoch bleiben die Umstände und Daten nebulös. Im Film wird Johanna von ihrer Namensvetterin Johanna Wokalek (Der Baader Meinhof Komplex) gespielt. Diese wächst unter der Knute eines grausamen Vaters auf, der seine überintelligente Tochter für eine Gotteslästerung hält. Er schlägt, bestraft und demütigt die clevere Johanna. Mithilfe eines Mentors gelangt das Mädchen dennoch an die Domschule und trotzt auch dort allen Hindernissen. Als sie sich aber in ihren Gastvater, den Grafen Gerold (David Wenham, Der Herr der Ringe), verliebt, wird Johanna Opfer einer Intrige. Das Mädchen flüchtet, gibt sich fortan als Mann aus und verbringt die folgenden Jahre in einen Kloster.

Der weitere Verlauf der Handlung schildert die sagenhaften Zufälle, die schließlich dazu führten, dass die katholische Kirche - wenn auch unwissentlich - eine Frau zum Papst erhob. Während das Buch Johannas Werdegang auf 566 Seiten ausführlich beleuchten konnte, muss sich der Film trotz Überlänge (148 Minuten!) etwas mehr sputen. Entsprechend werden manche Stationen nur mit wenigen Dialogen oder durch eine Randanmerkung des Erzählers abgehandelt. Ein Film, der so viel Material unter einen Hut bringen muss, läuft immer Gefahr, dass er zu wenig in die Tiefe geht und stattdessen nur epische Breite bietet. Ähnlich verhält es sich auch bei Die Päpstin. Der Streifen könnte auch den Untertitel "Ein Lebenslauf im Zeitraffer" tragen. Dass er trotzdem nie langweilig wird, liegt an zwei wesentlichen Aspekten: Erstens sind die Darsteller allesamt hervorragend. Sie holen aus den kümmerlich angelegten Profilen ihrer Figuren das Maximum heraus. Zweitens ist die Story selbst so spannend, dass sie sogar der schlechtesten Inszenierung strotzen könnte.



Bezüglich der Kulissen und Kostüme ist Die Päpstin eine wahre Pracht. Allerdings lässt Sönke Wortmanns Regieführung zu wünschen übrig. Formelhaft spult er die Geschichte herunter, hangelt sich an den einzelnen Buchkapiteln entlang, anstatt der Geschichte eine eigene filmische Note zu verleihen. Seinen Figuren mangelt es an psychologischem Feintuning und seine Bildsprache ist zwar opulent, aber kein bisschen originell. Man mag gar nicht daran denken, was der ursprünglich als Regisseur vorgesehene Volker Schlöndorff aus dem Stoff gemacht hätte.
Dennoch muss man der Päpstin ihren rechtmäßigen Tribut zollen: Obwohl die Inszenierung eher an ein TV-Movie-Oster-Event erinnert, packt die Handlung ungemein. Darsteller und Story ziehen in ihren Bann, sodass man vor allem Geschichtsinteressierten diesen Film nur ans Herz legen kann!

(Dörte Langwald)

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Kinostart: 22.10.2008
ca. 148 Minuten
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