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Oben (Review/Filmkritik)
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14.09.2009 13:43 Uhr -
Pixar schenkte uns im vergangenen Jahr mit Wall-E einen der besten Animationsfilme aller Zeiten. Der Streifen setzte Meilensteine in der Geschichte der Tricktechnik und vereinte mit einzigartigem Charme Herz, Humor und Hirn. Eifrig und erfindungsfreudig, wie die Jungs von Pixar nun mal sind, wollen sie sich mit jedem neuen Film selber übertreffen.
Als aber bekannt wurde, dass ihr aktuelles Werk über einen lebensmüden Rentner auf Ballonreise handelt, sank augenblicklich die Disney-Aktie. Die Story klang schlichtweg nicht erfolgversprechend. Dabei sollte man inzwischen doch längst wissen: Pixar liebt die Paradoxe. Gerade aus Geschichten, die auf den ersten Blick alles andere als attraktiv klingen, machen die Pixel-Geeks echte Meisterwerke. Mit Filmen über Monster, die Angst vor Kindern haben, oder Ratten, die Küchenchefs werden wollen, schrieb Pixar Kinogeschichte. Man kann also davon ausgehen, dass auch ein Streifen über einen alten Miesepeter funktionieren wird! Das tut er auch - allerdings sind die ersten 20 Filmminuten sehr untypisch für Pixar. In einer unendlich traurigen Montage wird das Leben der Hauptfigur im Schnelldurchlauf gezeigt. Wir sehen, wie Carl Fredericksen einst mit seiner Sandkastenfreundin und späteren Gattin Ellie stets große Abenteuerreisen plante, doch diese Träume nie verwirklichte. Mit 78 Jahren steht Carl schließlich vor den Scherben seines Lebens. Er ist einsam, verwitwet, hoffnungslos. Doch als sein Haus abgerissen werden soll und man ihn ins Altersheim abschieben will, geht Carl buchstäblich in die Luft. Er bindet ein Meer aus Helium-Ballons an sein Heim und schwebt einfach davon! Der alte Fredericksen als Easy Rider - nur mit Ballons statt Bike. Das ikonische Motiv des greisen Meuterers, der mit seinem Haus und Tausenden von Heliumballons sanft durch die Lüfte schwebt, ist schlichtweg genial! Es ist zugleich eine Hommage an den Disney-Klassiker The Little House (1952); Pixar verbeugt sich damit vor seinem einstigen Konkurrenten. Das Mickey-Maus-Studio war jahrzehntelang federführend im Animationsgenre. Dann kam Pixar und stürzte Meister Walt bzw. seine Nachkommen vom Thron. Disney hat sich den erfolgreichen Mitbewerber inzwischen unter den Nagel gerissen und rappelt sich auch an der kreativen Front langsam wieder auf (auf Disneys kommende Froschkönig-Parodie Küss den Frosch darf man gespannt sein!). Dennoch sind Story und Style von Oben als Zeichen von Pixars Solidarität zu sehen. Auffallend ist nämlich auch, dass Regisseur Pete Docter (Monster AG) den Zeichenstil seiner Figuren bewusst simpel hielt und ihnen einen nostalgischen Cartoon-Charakter verlieh. Es ist ebenfalls eine Verbeugung vor der klassischen Kunst des Animierens, bei der Disney einst Vorreiter war. Aber zurück zu Ausreißer Carl Fredericksen. Kaum hat dieser luftige Sphären erreicht, klopft es an seiner Tür: Russell, ein dicklicher Pfadfinderjunge, hatte sich auf der Veranda versteckt! Nur widerwillig nimmt Carl den Knaben mit auf seine Reise. Natürlich sind die beiden am Ende des Films ein Herz und eine Seele, doch bis es so weit ist, erleben der mürrische Alte und sein plappermäuliger Schützling allerhand sagenhafte Abenteuer. Sprechende Hunde, schokoladensüchtige Riesenvögel und garstige Zeppelinpiloten kreuzen ihren Weg; Oben ist ein Konglomerat aus kauzigen Figuren, regenbogenbunten Schauplätzen und fein dosierten Weisheiten. Das Leben ist das größte Abenteuer, das man erleben kann. Es sind gerade die kleinen Dinge und die feinen Nuancen, die dieses Abenteuer aufregend und schillernd machen. Vor allem der grummelige Carl darf mit diesem Wissen im Herzen endlich seinen Frieden mit sich und der Welt machen. Pixar hingegen darf sich einmal mehr auf die Schulter klopfen: Oben ist ein wundervoller Film! Zwar braucht der Streifen ein bisschen Zeit, bis er in Fahrt kommt, doch die Gags sitzen, die Technik raubt einem den Atem und die Figuren gehen ans Herz. Dass der Streifen in 3D gedreht wurde, ist übrigens reine Nebensache. Pixar setzt mit der Technologie lediglich ein paar Schauwert-Akzente und konzentriert sich ansonsten ganz auf die Geschichte. Fazit: Oben ist zwar nicht ganz so gut wie Wall-E, aber in absolute Hochstimmung wird er Sie auf jeden Fall versetzen! Kommentar: Abgehoben! Während der ersten Minuten von Oben dachte ich genervt: "Was ist Carl nur für ein oller Grimmbart?!". Es dauert, bis sich seine Liebenswürdigkeit entfaltet. Doch gerade darin liegt der Charme des Streifens. Carl entdeckt im Laufe der Handlung, dass man sich Zufriedenheit und Glück selber erarbeiten muss. Er nimmt den Zuschauer nicht nur auf eine sagenhafte Ballonreise mit, sondern auch auf eine innerliche Entdeckungstour. Zwar hat mich der Film nicht so sehr beeindruckt wie Wall-E, dennoch ging ich am Ende fröhlich pfeifend aus dem Kino. (Tim Sünderhauf) |
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