11.08.2009 17:13 Uhr -
Coraline Bild (4) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Mit
The Nightmare Before Christmas landete Henry Selick 1993 einen Überraschungshit: Die im Stop-Motion-Verfahren gedrehte Weihnachtsgeschichte wurde von Kritikern wie Publikum für ihren innovativen, alten mit neuem Techniken verknüpfenden Stil gefeiert - ein Puppenfilm für Erwachsene. Doch als zwei Jahre später mit
Toy Story der erste komplett computeranimierte Langspiel-Trickfilm in die Kinos kam, schien die noch aus dem späten 19. Jahrhundert stammende Stop-Motion-Technik endgültig ausgedient zu haben. Nachdem Selicks Puppenabenteuer
James und der Riesenpfirsich 1996 nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit erlangte, wurde es an der Kinofront eine ganze Weile ruhig um den kreativen US-Filmemacher.
Coraline Bild (1) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Doch Fans des Trickfilm-Künstlers können aufatmen: Mit
Coraline kommt nun ein neues Abenteuer auf die Leinwand, das die gute alte Stop-Motion-Verfahren geschickt mit CGI-Effekten und 3D-Technik kombiniert. Die Geschichte handelt - basierend auf einem Buch von Fantasy-Autor Neil Gaiman
(Der Sternenwanderer) - von dem elfjährigen Mädchen Coraline, dass mit seinen Eltern in eine alte viktorianische Villa auf dem Land zieht. Unzufrieden über den neuen Wohnsitz und das Desinteresse ihrer Eltern, stöbert Coraline herum und entdeckt eine verborgene Tür, hinter der sich ein geheimnisvoller Tunnel erstreckt. Auf der anderen Seite landet die aufgeweckte Jung-Forscherin in einer Parallelwelt, in der ihre Eltern zu ihrer Überraschung aufmerksam und fröhlich sind, leckeres Essen kredenzen und überhaupt viel liebevoller sind, als ihre wahren Ebenbilder. Nur in einem unterscheidet sich das Doppeluniversum: Alle Bewohner haben statt Augen angenähte Knöpfe wie die einer Puppe, die Coraline im ihrer neuen Bleibe gefunden hat. Anfangs zwischen beiden Welten pendelnd, beginnt das kleine Mädchen erst allmählich zu erkennen, welche Gefahr von der anderen Welt und vor allem ihrer Knopf-Augen-Mutter ausgeht...
Coraline Bild (3) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Im Stile von
Alice im Wunderland entführt Henry Selick seine kleine Protagonistin und den Zuschauer in eine fantastische Welt und verquickt dabei putzige Realität mit unheimlichen Traumsequenzen, setzt Familienidyll Gruselathmosphäre entgegen. Zwischenzeitlich wird die Geschichte dabei so düster, dass man sich regelrecht kneifen muss, ob man wirklich noch in einem Puppenfilm sitzt. Die verzaubernd-schräge Märchen-Story und vor allem die tolle Animation, die im 3D-Verfahren zusätzliche Glanzpunkte setzt, sind jedoch so genial, dass
Coraline vor allem denen, die in Zeiten von CGI das Old-School-Verfahren noch zu schätzen wissen, einen Heidenspaß bereiten dürfte.