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The Wrestler
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10.08.2009 16:34 Uhr -
In den Achtzigerjahren gehörte er zu den absoluten Topstars. Sein Karriereweg zeigte steil nach oben. Das Publikum lag ihm zu Füßen. Mit dem Erfolg kamen Ruhm und Reichtum, aber auch Überheblichkeit. 15 Jahre später ist er ganz unten angelangt. Falsche Entscheidungen in seinem Leben führten zum Bankrott und körperlichen Verfall. Doch er bekommt noch einmal eine Chance.
Wahrheit und Fiktion Was auf die Hauptfigur in The Wrestler zutrifft, erlebte auch deren Darsteller: Mickey Rourke, Sexsymbol und Kino-Ikone der Achtziger, war pleite. Mit kleinen Nebenrollen bestritt er nach einem eher erfolglosen Versuch einer Karriere als Profiboxer sein tristes und einsames Dasein. Für den Part des ehemaligen Profi-Wrestlers Randy "The Ram" Robinson also genau die richtige und für Regisseur Darren Aronofsky auch die erste Wahl. Und Rourke bewies es allen: Aronofsky, dem Publikum und den Kritikern. Mit The Wrestler katapultierte er sich wieder an die Spitze Hollywoods, wurde sogar für den Oscar nominiert und hätte ihn auch verdient gehabt. Doch nicht nur der Hauptdarsteller, sondern der gesamte Streifen von Darren Aronofsky wurde bei den diesjährigen Oscars sträflich vernachlässigt. Die auf den ersten Blick eher unspektakuläre Geschichte über einen in die Jahre gekommenen, abgehalfterten Show-Ringer entpuppt sich bei genauem Hinsehen als außergewöhnlich tiefgründige, bewegende und nachdenkliche Allegorie auf das Streben nach dem persönlichen Sinn im Leben und dem Hadern mit dem Tod. Geschunden Seit Jahren lässt sich Randy Robinson den inzwischen müden Körper ramponieren. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ging Randy alias The Ram in die Annalen des Wrestlings ein. Er feierte spektakuläre Erfolge, stieg vor tausenden begeisterten Fans in den Ring. Doch diese Zeit gehört längst der Vergangenheit an. Heute tingelt Randy durch Vorstadt-Turnhallen, lässt sich für ein paar Kröten vermöbeln und kann nicht einmal mehr die Miete für seinen Wohnwagen in einem Trailerpark bezahlen. Dann macht ihm auch noch die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Nach einem Herzinfarkt und einer Bypass-Operation muss er seinen Job - sein bisheriges Leben - an den Nagel hängen. Randy bleibt nichts anderes übrig, als neu anzufangen. Er knüpft zarte Bande zu einer befreundeten Stripperin, will den Kontakt zu seiner Tochter, die er seit Jahren vernachlässigt hat, wiederherstellen und nimmt einen Job im Supermarkt an. Zunächst scheint der kaputte und verlebte Koloss alles im Griff zu haben, doch seine alten Lebensmuster holen ihn bald ein. Metaphorisch Aronofsky beweist auch in The Wrestler sein unglaubliches Gespür für die Hauptfigur eines Films. Rourkes zerfurchtes und verlebtes Gesicht spiegelt perfekt die Einsamkeit und die Probleme Randys wider. Beinahe dokumentarisch führt Aronofsky dem Zuschauer seine Parabel über das Leben vor, die daneben extrem authentisch das Subkultur-Milieu der Wrestling-Szene beleuchtet. Randys unbeholfene Bemühungen, im Leben Fuß zu fassen, sind ungemein bewegend und kriechen unter die Haut. Das Porträt des Prügelknaben entfaltet sich dadurch zu einem tiefgründigen Erlebnis, das wie schon Aronofskys Vorgängerfilm The Fountain Leben und Tod in ein filmisches Gleichnis der Extraklasse setzt. Kämpferisch Überwältigend offen und persönlich gestaltet sich im Anschluss an den Film ein Interview mit Mickey Rourke innerhalb der Extras. Dieses und das Making-of des Streifens bilden neben Trailern die einzigen Boni des Silberlings. Inhaltlich können die beiden Features aber voll überzeugen, da sie sehenswerte Einblicke in die Entstehung dieses außergewöhnlichen Filmprojekts geben. Lediglich 35 Drehtage und fünf Millionen Dollar standen zur Verfügung, um ein echtes Meisterwerk zu erschaffen, an dem Aronofsky im Grunde schon kurz nach Requiem for a Dream (2000) inhaltlich zu arbeiten begann. Technisch überzeugt The Wrestler hauptsächlich durch seine Authentizität und seine Stimmung. Das betrifft sowohl den Sound als auch die visuellen Qualitäten der Low-Budget-Produktion. Der dokumentarische Stil von The Wrestler sorgt definitiv nicht für Hochglanzoptik. Die derben visuellen Züge geben den Szenen allerdings den Look und die Kraft, die sie benötigen. Ähnliches gilt für den Ton, der sein Surround-Potenzial bei den Kämpfen und Randys Strip-Club-Aufenthalten perfekt einsetzt, sich ansonsten aber eher zurückhält. Fazit Ein authentisches, tiefgründiges und bewegendes Meisterwerk, das nicht allein wegen des grandiosen Mickey Rourke unter die Haut geht. Bild Bewusst gewählter Dokumentar-Stil, der mitunter etwas derb und grießelig wirkt, dadurch aber an Authentizität gewinnt. Absolut stimmig und cool. Ton Die Wrestling-Szenen wurden auditiv hervorragend in Szene gesetzt. Überhaupt tragen Musik und Sound perfekt zur Stimmung bei, auch bei ruhigeren Sequenzen. Ausstattung Sowohl das sehr persönliche und offene Interview mit Mickey Rourke als auch das interessante Making-of ergänzen den Streifen ganz hervorragend. (Thomas Raab) |
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