19.03.2009 16:34 Uhr -
Slumdog Millionär [Quelle: siehe Bildergalerie]
In einer Kammer sitzt ein fetter Polizist vor einem Jugendlichen und verhört diesen unter Anwendung brutaler Gewalt. Eine alltägliche Szene in der indischen Metropole Mumbay, wie es scheint, ist der Junge Jamal doch aus den Slums der Millionenstadt, aus der Gosse also, und damit quasi rechtelos.
Slumdog Millionär [Quelle: siehe Bildergalerie]
Doch dieser Bursche ist etwas Besonderes. Denn Jamal hat es vor Kurzem in der auch in Indien überaus populären Show "Wer wird Millionär?" auf den heißen Stuhl geschafft - und nun steht das introvertierte Gettokid nach 14 richtig beantworteten Fragen sensationellerweise vor der letzten Frage, die über den Gewinn von 20 Mio. Rupien entscheidet. Am nächsten Tag soll weitergespielt werden, doch der selbstgefällige Showmaster mag nicht glauben, dass der ungebildete Slumdog ohne Betrug so weit gekommen sein kann. Er schaltete die Polizei ein - und so findet sich Jamal statt auf dem gepolsterten Showstuhl auf einem harten Holzschemel wieder. Als sich ein Polizei-Inspektor einschaltet, wird das Verhör für diesen und den durchs Fernsehen längst zur Berühmtheit avancierten Jungen zu einer Aufarbeitung von Jamals Vergangenheit.
Slumdog Millionär [Quelle: siehe Bildergalerie]
Denn Jamal Malik wuchs als muslimischer Knabe in den Slums auf, erlebte den brutalen Tod seiner Mutter, schlug sich mit seinem älteren Bruder Salim und dem Mädchen Latika durch die Gosse und landete in den Klauen professioneller Kinderhändler. Als die Brüder diesen entkommen können, aber Latika zurücklassen müssen, wird für den heranwachsenden Jamal die Suche nach der geliebten Latika über die Jahre zur Passion seines Lebens.
Slumdog Millionär [Quelle: siehe Bildergalerie]
Ein in Indien spielendes Drama um einen Jungen aus den Slums, der seine große Liebe sucht - das klingt nach Bollywood pur. Doch Regisseur Danny Boyle wäre nicht Boyle, wenn er daraus statt eines inhaltlich oberflächlichen Tanzspektakels nicht einen tiefgründigen Film über menschliche Schicksale gemacht hätte. So sollte man sich nicht vom ersten Eindruck der Bilder oder des quietschbunten Filmplakats auf die falsche Fährte führen lassen:
Slumdog Millionär ist zwar ein mit Elementen des indischen Popcornkinos versetztes Romantikdrama, zugleich aber verblüffend universell und ungemein bewegend.
Slumdog Millionär [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die Geschichte des armen Jungen, der aus seinem harten Leben das Beste zu machen versucht, nicht wie sein Bruder in den Sog der Gewalt hineingezogen werden will und dessen einziges Trachten dem Mädchen aus gemeinamen Kindertagen gilt, erinnert an große, bewegende Klassiker wie
Oliver Twist und
Stürmische Höhen. Gepaart mit einem überaus intelligenten Handlungsaufbau, der die Zeit des Slumdogs auf dem Millionenstuhl immer wieder geschickt mit Jamals Erlebnissen aus seiner Jugend verknüpft, versteht es das im Abspann dann doch noch lustvoll mit dem Bollywood-Image kokettierende Liebesdrama, den Zuschauer zunehmend in seinen Bann zu ziehen. Boyle meinte einmal, er mache lieber kleine Filme. Hier ist ihm dennoch ein ganz großer gelungen.
(Chris Knight)