19.01.2009 15:54 Uhr -
Stauffenberg (Tom Cruise) ist sich sicher: Adolf Hitler muss beseitigt werden.
Es war ein Walkürenritt mit Hindernissen: Bendlerblock-Boykott (die Drehgenehmigung wurde verweigert), Komparsen-Unfälle, nachträgliche Dreharbeiten. Wogen des Widerstands rief aber vor allem der Hauptdarsteller hervor: Tom Cruise,
Top Gun-Maverick, Oprah-Winfrey-Sofa-Hüpfer und emsiger Scientologe, in der Rolle des großen deutschen Widerstandskämpfers Claus von Stauffenberg? Das konnte, das wollte man nicht akzeptieren.
Singer setzt die Verschwörung packend in Szene. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Tatsächlich ist die befremdliche Besetzung ein großer Störfaktor von
Operation Walküre. Cruise in Nazi-Uniform; bereit fürs Vaterland zu sterben - ein gewöhnungsbedürftiger Anblick! Für unfreiwillige Komik sorgt zudem in der US-Fassung der Sprach-Pudding der Darsteller. Herr Stauffenberg parliert amerikanisch; seine Komplott-Kumpane sprechen mit britischem Akzent, und das normale Fußvolk (Soldaten, Kinder, usw.) plaudert auf Deutsch. Hitler selbst gibt übrigens einen rätselhaften osteuropäischen Dialekt zum Besten. Merkwürdig! Aber zurück zum Helden der Handlung: Tom Cruise spielt - zum Glück- sehr zurück genommen. Die große Furcht, Hollywoods Version vom Hitler-Attentat würde in Kitsch und Pathos versinken, erfüllt sich nicht! Im Gegenteil: Regisseur Bryan Singer (
Die üblichen Verdächtigen) enttäuscht hier nicht; er erzählt sehr sachlich, sehr detailgetreu von jenen Ereignissen, die dazu führten, dass im Mai 1944 beinahe eine historische Kehrtwende statt gefunden hätte.
Störfaktoren bleiben. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Sehr deutlich zeigt der Film: Es waren nur winzige Details, eine Verkettung unglücklicher Zufälle, die Stauffenbergs Anschlag am Ende scheitern ließen. Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn es um die Durchführung des Coups geht, gewinnt
Operation Walküre ungemein an Intensität. Dann packt der Film als historischer Thriller, dann geht die Tragik der Umstände richtig unter die Haut! Ein Versäumnis ist jedoch, dass Singer die Motivation der Figuren nicht klar heraus gearbeitet hat. Warum Stauffenberg und seine Mannen als opferbereite Krieger gegen Hitler rebellieren wollen, ist lediglich zu erahnen, nicht aber zu spüren. Das deutsche Drama
Sophie Scholl - Die letzten Tage war diesbezüglich um Längen besser.
Dennoch: Betrachtet man
Operation Walküre einmal losgelöst von all dem Hype und der Häme, welche den Film von Anfang an begleiteten, dann muss man unter dem Strich sagen: Bryan Singer hat einen handwerklich hervorragendes Historienepos geschaffen. Der Film hat Macken - eindeutig. Inhaltlich aber vermag er zu fesseln. Dieser Tatsache darf man ruhig Respekt zollen.