10.11.2008 13:28 Uhr -
Als Verfilmer von Videospielen ist Uwe Boll, Regisseur von
Alone in the Dark und
Far Cry, inzwischen hinlänglich bekannt, ja berüchtigt. Und dank der sehenswerten Homestory in unserer Ausgabe 10/08 dürften nicht nur die zahlreichen Kritiker einen etwas anderen Eindruck von ihm gewonnen haben. Dennoch sind Bolls ambitionierte Frühwerke wie
German Fried Movie oder
Heart of America beim breiten Publikum nach wie vor vollkommen unbekannt. Nun begab sich Boll ein Stück weit zurück zu seinen Wurzeln und drehte einen ernsthaften Film ganz ohne die Aura eines profitorientierten Schnellschusses mit namhaften Darstellern in Trash-Laune.
"Tunnelratten" lautet die unschöne Bezeichnung für die amerikanischen Soldaten, denen im Vietnamkrieg Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre die undankbare Aufgabe zufiel, die ausgeklügelte Verteidigungs- und Überlebensstrategie der vietnamesischen Armee zu durchbrechen. Diese entzog sich mithilfe eines mehrere hundert Kilometer langen Tunnelsystems dem Zugriff der US-Streitkräfte. Im Film begibt sich nun eine kleine amerikanische Einheit, bestehend aus den üblichen Standardcharakteren des klassischen Kriegsfilms, in die dunklen Höhlengänge unter dem Dschungel. Doch anstelle des kriegsentscheidenden Durchbruchs wartet auf beide Seiten nur der Tod.
Bei der Vorpremiere des Films bewies Uwe Boll mit einigen Worten an das Publikum, wie wichtig die Produktion für ihn persönlich war. Es ist bedauerlich, dass es ihm nicht gelingt, das eindringliche Plädoyer gegen den Krieg, das er dabei mit nur wenigen Sätzen zum Ausdruck brachte, auch im Film zu transportieren. Schuld daran tragen die zigmal gesehenen Kriegsfilmklischees, die auch den Improvisationsfreiräumen geschuldet sein dürften, die Boll seinen Schauspielern bei der Ausarbeitung der Charaktere gab. Hätten diese klarere Dialogvorgaben bekommen, die sich deutlich vom immer gleichen "Ich wäre lieber zu Hause bei meiner Familie"-Text typischer Soldatenprotagonisten abheben, wäre womöglich ein empfehlenswerter kleiner Film über das Grauen des Krieges entstanden. So bleibt es ein konventioneller Genre-Streifen, der nicht wirklich schlecht, aber auch vollkommen austauschbar ist.
Letztlich sollte also niemand erwarten, dass aus Dr. Boll nur durch die thematische Verschiebung ein begnadetes Regie-Genie wird. Dennoch beweist der viel gescholtene Filmer, wozu er noch in der Lage ist. Das Fazit kann daher nur lauten: Nur Mut, Uwe! Geh weiter deinen Weg und verzichte öfter mal auf Videospielvorlagen.