Bremsen quietschen, Motoren heulen auf. 007 hockt ohne Fahrertür in einem Aston Martin und liefert sich mit einer Horde von Verfolgern ein gnadenloses Wettrennen. Minute Eins von
Ein Quantum Trost ist angebrochen. Es kracht und rummst von Anfang an.
Nachdem die Kfz-Konkurrenz lässig abgehängt wurde, gönnt Bond (
Daniel Craig) sich einen Zwischenstopp, um Mr. White zu verhören. Selbigen hatte der Doppelnull-Agent am Ende von
Casino Royale in "Gewahrsam" genommen. Minute Fünf: Wir erfahren, dass Mr. White für eine Organisation arbeitet, die weitaus mächtiger ist, als Bond und seine Chefin M. (
Judi Dench) vermutet hatten.
Immer auf Achse: Bond (Daniel Craig) ist in Ein Quantum Trost ein rastloser Rächer. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Schnell wird noch das angekratzte Ego von 00-Herzschmerz erörtert (Bond wurde im letzten Teil von seiner Geliebten verraten). Dann geht's auch schon auf zur nächsten Hatz: Bond jagt durch Katakomben, kraxelt über Hausdächer und prügelt sich mit dem Geschick eines Zirkusartisten auf einem Baugerüst (eine der besten Actionszenen des gesamten Films!).
Kurze Atempause: Zurück im MI6-Headquarter erhält 007 eine Standpauke von M., weil diese seine Vertrauenswürdigkeit anzweifelt. Sein Rachedurst habe die Oberhand gewonnen; Bond sei zu emotional geworden. Minute 15: Bond ermittelt stur weiter, muss in einem Hotelzimmer auf Haiti einen Angreifer eliminieren. Die Kämpfenden ächzen, stöhnen, man hört Knochen knacken - rohe Authentizität!
Sucht ebenso wie Bond Vergeltung: die Russin Camille (Olga Kurylenko). [Quelle: siehe Bildergalerie]
Minute 20: Bond trifft auf sein erstes Girl, die schmollmundige Camille (
Olga Kurylenko). Diese führt ihn auf die Fährte des Konzernchefs Dominic Greene (
Mathieu Amalric) - Bingo! Bond hat endlich seinen Bösewicht gefunden. Wie er erfährt, hat Greene gehörig Dreck am Stecken, plant sogar einen Putsch in Bolivien! Da Camille ebenso wie Bond ein Hühnchen mit dem geldgierigen Gallier zu rupfen hat, jagen sie Greene fortan mit vereinter Kraft.
Ein Quantum Trost: Bond so hart wie nie!
Minute 30: Höchste Zeit für eine weitere Verfolgungsjagd, diesmal aber per Boot. Erkennen Sie ein Muster? Bond hechtet von einer Hatz zur nächsten. Kein Terrain und kein Transportmittel lässt er dabei aus. Zu Land, zu Wasser, in der Luft - die Stunts sind großartig, die Action atemlos.
Doch wo sich
Casino Royale die Zeit nahm, um seine Figuren eingehend vorzustellen (wodurch das Poker-Turnier zum Herzstück des Films wurde), wirken die psychologisch durchdachteren Momente in
Ein Quantum Trost lediglich wie Füllmaterial bis zur nächsten Karacho-Aktion. Immerhin: Die leiseren Szenen reichen aus, um Bonds Motive zu begründen. Doch im Vergleich mit dem Vorgängerfilm vermag die Handlung nicht ebenbürtig zu fesseln.
Giftzwerg: Bonds Gegenspieler, der Franzose Dominic Greene (Mathieu Amalric)
Zumal man sich mit allzu vielen Schauplatzwechseln und multiplen Nebenfiguren verzettelt. Manch ein Darsteller verkommt dabei fast zum Statisten, wie etwa Bond-Girl Nr. 2 (
Gemma Arterton), das es auf höchstens fünf Minuten auf der Leinwand bringt. Diese Makel sind verzeihlich, wenn man bedenkt, dass dieser 22. Bond dem Zweck dient, um die Entwicklung des Doppelnull-Spions weiter zu erzählen.
Der ganze Film dreht sich um die Frage, wie aus Bond jenes rücksichtslose Raubein wurde, als das er von seinem Schöpfer Ian Fleming in den Romanvorlagen stets beschrieben wurde. Und in der Tat: 007, der unglücklich Verliebte, prügelt sich so hart wie nie zuvor; sogar für coole Sprüche bleibt dem Grimmig-Gucker kaum noch Zeit.