05.05.2008 12:26 Uhr -
EIn unterhaltsames Porträt über den Dalai Lama. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Was fragt man den religiösen und politischen Führer eines Landes, das von einem großen Nachbarn okkupiert wurde? Einen Menschen, der seit über 40 Jahren im Exil lebt, zu Gewaltlosigkeit und Dialog aufruft, während sein Land von Revolten und deren brutaler Niederschlagung gebeutelt wird? Wenn man genau zehn Fragen stellen darf? Diese eine Frage stellte sich auch der amerikanische Dokumentarfilmer Rick Ray, als ihm eine 45-minütige Audienz mit dem Dalai Lama gewährt wurde.
Zwar fand diese bereits vor zwei Jahren statt, doch trifft Rays Doku aus gegebenen Anlass (die Proteste in Tibet gegen die chinesische Unterdrückung und die Diskussion über einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking) voll den Zeitgeist. Dies und der Umstand, dass der Filmemacher sich nicht allein auf das Interview mit dem charismatischen Führer verlässt, sondern anhand malerischer Aufnahmen, alter Bilder und Filme aus den Fünfzigerjahren sowie Gesprächen mit engen Vertrauten des Dalai Lama die Geschichte und den Werdegang des heute 72-Jährigen und seines Volkes abwechslungsreich zu erzählen versteht, macht seine Doku so interessant.
Umrahmt wird das Interview durch malerische Aufnahmen von Land und Leuten. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Er legt dar, was Tibet einst war, wann und wie es zur Okkupation kam und wie das heutige Leben des von seinen Anhängern als Buddhas Reinkarnation verehrten Mannes aussieht. Daneben bindet er durch seine zehn sorgfältig gewählten Fragen Ansichten und Einsichten des Dalai Lama ein, die von der beeindruckenden, unser westliches Leben teils beschämenden Weisheit eines Menschen zeugen, der wie kein anderer auf unserer Erde nach dem lebt, was er predigt, und dabei immer freundlich, zuvorkommend und voller Lebensfreude, vor allem aber immer natürlich bleibt.
Unterhaltsam und empfehlenswert. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Zwei Dinge muss sich Ray jedoch vorwerfen lassen: zum einen eine gewisse Selbstverliebtheit, mit der er sich - eigentlich in Dokus ungewöhnlich, aber seit Michael Moore nicht mehr ganz unüblich - mehrfach, so auch während des Interviews, optisch und verbal ("Ich habe schon so viele Länder bereist!") selbst ins Bild stellt. Zum zweiten rückt er von der sonst üblichen objektiven Betrachtungsweise ab und versucht vor allem gegen Ende anhand der Auswahl seiner Bilder (auf wehrlose Tibeter einprügelnde chinesische Polizisten und Soldaten) seine Zuschauer mit einem gewissen Missionierungseifer von seiner Ansicht zu überzeugen - die da ganz klar heißt: Die Tibeter sind ein unterdrücktes Volk, China ist der Satan. Eine Schlussfolgerung, zu der man als mündiger Mensch gerne selbst kommen möchte (oder auch nicht), und zwar anhand einer weniger manipulativen Berichterstattung. Aber auch dies ist ja seit Michael Moore nichts Neues mehr.
Nur der missionarische Eifer stört. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Bleibt dennoch festzuhalten, dass diese vom Titel her nach drögem philosophischen Gerede klingende Doku sich nach erstem Zurücklehnen und Anschauen als ein professionell gemachtes Porträt erweist, das hochaktuell ist und zum besseren Verständnis, wie es zu den Protesten gegen China wegen der Besetzung Tibets gekommen ist, unterhaltsam beizutragen versteht. Wer aktuell mitreden will, sollte sich
10 Fragen an den Dalai Lama anschauen.