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12 Uhr mittags

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Film-Wertung:

Filmkritik
12.02.2008 14:19 Uhr -
Hochzeitsglocken: Will Kane (Gary Cooper, M.) heiratet Amy (Grace Kelly). [Quelle: siehe Bildergalerie]
Heutzutage sehen viele in Western nur billige Actionstreifen mit viel Geballer und wenig Handlung. Betrachtet man die Fließbandproduktionen der Dreißigerjahre, so trifft das auch zu. Der fesche Held, der entweder Gesetzeshüter ist oder sich für ein an ihm oder seinen Liebsten begangenes Unrecht rächen will, ist ebenso obligatorisch wie die Saloonschlägerei, die Schießerei und die Verfolgungsjagd zu Pferd.

Doch dann begannen sich namhafte Regisseure wie John Ford (Stagecoach, 1939, Faustrecht der Prärie, 1946), Henry King (Jesse James, 1939) und Howard Hawks (Red River, 1948) des Genres anzunehmen und kreierten mit neuen, wesentlich differenzierteren Handlungen den Typus des Edelwestern. Sie lieferten keine Fließbandware mehr ab, sondern inszenierten Filme vor opulenter Kulisse, erzählten ausgefeilte Geschichten mit sozialen oder politischen Bezügen. Der Western wurde salonfähig und brachte dabei Männer wie John Wayne und Henry Fonda groß raus.

Über diesen Namen tronte jedoch auch in den Vierzigerjahren ein unangefochtener Superstar: Gary Cooper. Nach Heldenrollen wie in Der Held der Prärie (1936), Der Westerner (1940) und der Capra-Komödie Hier ist John Doe (1941) sowie seinem Oscargewinn für das Kriegsdrama Sergeant York (1941) wurden die richtig guten Parts jedoch auch für ihn almählich rar. Nach Wem die Stunde schlägt (1943) folgten für Cooper zahlreiche oberflächliche Rollen, so dass der 1951 bereits 50 Jahre alt gewordene Star sich endlich wieder nach einem richtig guten Drehbuch sehnte. Da kam ihm das auf der Kurzgeschichte The Tin Star beruhende Skript von Carl Foreman gerade Recht.

Das Westerndrama, für das der in Österreich-Ungarn geborene Fred Zinnemann (Das siebente Kreuz) die Regie übernehmen sollte, erzählt von einem scheinbar verschlafenen Städtchen im mittleren Western. Hier erreicht den Sheriff Will Kane (Cooper) am Tage seiner Hochzeit mit der jungen Quäkerin Amy (Grace Kelly), für die er Stern und Revolver an den Nagel gehängt hat, die Nachricht, dass der berüchtigte Mörder Frank Miller (Ian MacDonald) begnadigt wurde und auf dem Weg hierher ist. Am Ortsrand warten bereits Millers Bruder und zwei weitere Strauchdiebe auf dessen Ankunft mit dem Mittagszug. Frank Millers Ziel ist klar: Er will sich an Kane rächen, dem Mann der ihn einst hinter Gittern gebracht hat.

Von seinen Freunden dazu angespornt, besteigt Kane mit seiner Braut eine Kutsche und fährt davon. Doch die Zweifel über seine Flucht nagen an ihm, kommt sein Nachfolger als Sheriff doch erst am nächsten Tag an. In der Überzeugung, nicht kneifen zu dürfen, kehrt Kane gegen den Willen seiner Frau um und nimmt erneut Stern und Revolvergürtel an sich. Doch nicht nur Amy wendet ihm daraufhin den Rücken zu. Auch die Stadt zeigt sich durch die Nachricht der nahenden Gangster wie gelähmt. Auf der Suche nach Helfern muss Kane erleben, wie einer seiner Freunde nach dem anderen kneift

Der Friedensrichter, sein alter Vorgänger und seine Deputys versagen ihm die Hilfe aus Angst um ihr Leben oder - im Falle seines jüngsten Hilfssheriffs Harvey Pell (Lloyd Bridges) - aus Eifersucht und falschem Ehrgeiz. Denn Harvey hat zwar ein Verhältnis mit Kanes alter Flamme, der selbstbewussten Helen Ramirez (Katy Jurado), doch insgeheim weiß er, dass Kanes Fußstapfen für ihn im beruflichen wie privaten Sinne eine Nummer zu groß sind. Als die Uhr zu Mittag schlägt und in der Ferne der eintreffende Zug zu hören ist, steht Kane allein da.

Ein Marshall, der händeringend nach Hilfe sucht? Der aus einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit sein Testament verfasst und in einem Moment der Schwäche über dem Schreibtisch zusammenbricht? Eine Stadt, in der niemand seinem Freund beistehen will? Das hatte es noch in keinem Western gegeben, stand es doch im krassen Widerspruch zum Selbstverständnis Amerikas. High Noon erzählte zwar die Geschichte eines tapferen Helden, der treu zu seinem Amt und seiner Stadt steht, doch zugleich auch eines gealterten, müden Helden, dem angesichts der Not Kummer und Angst ins furchige Gesicht geschrieben stehen.

Es war die perfekte Rolle für den zu diesem Zeitpunkt aufgrund familiärer und gesundheitlicher Probleme gebeutelten Cooper, der hier vermutlich den Charakter seines Lebens spielt und der 1953 mit seinem zweiten Oscar für die beste männliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde. Es war Coopers 25. Westernfilm.

Drei weitere Oscars gingen an den Filmschnitt, die Filmmusik von Dimitri Tiomkin und den Filmsong von Tiomkin und Ned Washington. Preise, die angesichts dieses packenden Thrillerdramas absolut berechtigt erscheinen. So kommt dem Schnitt, bei dem Cutter Elmo Williams durch sich rasch bis ins Hektische steigernde Abfolgen von Szenen sowie die sich wiederholende Symbolik der Schienenstränge und der gnadenlos tickenden Uhr (die nicht nur in einigen Großaufnahmen zu sehen, sondern stetig irgendwo im Hintergrund präsent ist) die Spannungsschraube immer stärker anzieht, entscheidende Bedeutung zu.

Die Aussage ist klar: Die Zeit bleibt nicht stehen, sie läuft ebenso unerbittlich weiter, wie die Schienen die unausweichliche Ankunft des Zuges und damit des Showdowns heraufbeschwören. Die dabei dramatisch anschwellende Musik, in die Tiomkin den Rhythmus des Uhrpendels geräuschvoll einbaute, erhöht die Anspannung zusätzlich. Und wenn dann die Kamera von Will Kanes Gesicht in die Totale auf der staubigen, sonnengemarterte Straßen wechselt und den Sheriff einsam und verlassen um sich blickend zeigt, scheint klar, dass dieser Film kein gutes Ende nehmen kann.

Doch auch hier weiß High Noon mehr als das Klischee zu erfüllen. Keine Frage: Dieser Meilenstein ist einer der größten Western aller Zeiten!

(Übrigens: Der 27-jährige Lee van Cleef ist hier in seiner ersten Filmrolle als einer der vier Banditen zu sehen. Er darf allerdings keine einziges Wort sprechen. Und Grace Kelly soll mit ihrer eigenen Darbietung in ihrer ersten großen Kinorolle überhaupt nicht zufrieden gewesen sein.)

(Tim Sünderhauf)

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Meinungen zu diesem Artikel (1)
Alle 1 Kommentare zum Thema finden Sie hier!

Icould76 AW: Artikel - 12 Uhr mittags: 12 Uhr mittags
Rang: -
Datum: 19.02.2008 13:28
Super Film!
SYSTEM Artikel - 12 Uhr mittags: 12 Uhr mittags
Rang: -
Datum: 19.02.2008 13:28
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