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John Rambo

Action:
Humor:
Spannung:
Erotik:
Anspruch:
Film-Wertung:
Der alte Mann und der Krieg: Nach 20 Jahren zieht Vietnam-Veteran Rambo noch einmal in den Kampf und findet einen versöhnlichen, wenn auch extrem brutalen Abschluss.

Filmkritik
08.02.2008 15:35 Uhr -
John Rambo (S. Stallone) hat den Glauben an die Menschheit und an sich verloren. [Quelle: siehe Bildergalerie]
Das Alter lässt einen Menschen reifen. Auf Sylvester Stallone scheint das mehr als alles andere zuzutreffen. Nachdem er im letzten Jahr bereits seiner Box-Ikone Rocky ein fulminantes Comeback und mit dem sechsten Teil der Reihe für die Fans und vor allem für sich selbst einen versöhnlichen Abschied von der Rolle, die ihn berühmt machte, bescherte, ließ er jetzt auch Rambo noch einmal aufleben.
Zum letzten Mal sah man die Ein-Mann-Armee mit Bandana, Messer und Pfeil und Bogen 1988 an der Seite afghanischer Mudschahedin kämpfen. Neben der politisch nicht gerade glücklich gewählten Thematik, krankte Rambos letzter Kampfeinsatz insbesondere an der völlig überdimensionierten und meist recht sinnentleerten Action. Stallone, aber auch die mit ihm beteiligten Drehbuchautoren und die Regisseure der beiden Folgefilme zu First Blood (1982) hatten die gesellschaftskritische Botschaft des ersten Teils völlig ausgeblendet. Bei John Rambo nahm Sylvester Stallone im gesetzten Alter von 60 Jahren jetzt das Ruder in allen Bereichen selbst in die Hand.

Glaube und Gewalt
Von seinem Land und seiner früheren Aufgabe im Stich gelassen und enttäuscht, hat sich John Rambo nach Thailand zurückgezogen. Er schlägt sich als Schlangenfänger und Skipper durch. Als eine Gruppe Freiwilliger einer kirchlichen Einrichtung im Dschungel auftaucht und sich von ihm ins Bürgerkriegsgebiet von Burma schippern lassen möchte, um dort humanitäre Hilfe zu leisten, stoßen sie bei Rambo zunächst auf taube Ohren. Letztlich lässt er sich aber widerwillig überzeugen, obwohl er im Gegensatz zu den Helfern weiß, was in Burma auf sie zukommt. Er hat seinen Glauben an das Gute in der Welt endgültig verloren und er soll Recht behalten. Bereits auf der Fahrt nach Burma wird der Gruppe von Flusspiraten aufgelauert und Rambo muss den unbeholfenen Missionaren vor Augen führen, dass nicht Glaube und Liebe ihr Leben retten kann, sondern einzig tödliche Gewalt.
In Burma angekommen haben die humanitären Helfer noch nicht einmal rechtschaffend mit ihrer Mission begonnen, als brutale Militärs zuschlagen, die Dorfbevölkerung abschlachten und die Amerikaner entführen. Von der Kirche angeheuerte Söldner sollen daraufhin die Verschleppten zurückholen. Doch letztlich ist es Rambos Entschluss noch einmal in den Krieg zu ziehen, der die Rettungsaktion anrollen lässt.

Keine Alterserscheinungen
Die Trailer zu John Rambo deuteten ja daraufhin, dass auch der vierte Teil der Reihe ein einziges Gemetzel sei. Doch Regisseur und Hauptdarsteller Sylvester Stallone hat seine Hausaufgaben gemacht. Ins Zentrum seines Films stellte er die tragische Figur Rambo, die sich trotz aller Versuche seinem Schicksal, das einzig und allein vom Krieg geprägt war, nicht entziehen kann und vor allem die Eindimensionalität der Teile zwei und drei verloren hat.
Nach einem erschütternden Prolog, der auch die aktuellen Ereignisse in Burma aufgreift und darauf einstimmt welche menschlichen Bestien in den kommenden 90 Minuten auf einen warten, bekommt man einen deutlich gealterten, etwas schwerfälligen Rambo zu Gesicht. Spätestens beim Erklingen einer melancholischen Variation des bekannten Rambo-Themas werden dann aber Erinnerungen wach. Und, dass in einem 60 Jahre alten Körper noch viel Energie stecken kann und auch ein alter Tiger noch eine tödliche Gefahr birgt, stellt Stallone wenig später eindrucksvoll unter Beweis. Zunächst befasst sich der Streifen aber mit dem gebrochenen Menschen Rambo, der jeglichen Glauben an die Menschheit, die Welt und seine frühere Mission verloren zu haben scheint. Mit traurigen Augen muss er jedoch erkennen, dass sein Kampf noch immer nicht zu Ende ist.
Wenn sich Rambo daraufhin den Söldnern anschließt, beginnt eine Phase des Films, in der der Bodycount massiv zunimmt und die brachiale Gewalt einem Eli Roth (Hostel 1 & 2) alle Ehre macht. Ob die Gewalt in so grausamen Einzelheiten gezeigt werden muss, sei an dieser Stelle dahingestellt und dürfte noch zu langen Diskussionen führen. Die FSK ließ sich jedenfalls nicht erweichen und gab nur eine leicht gekürzte Fassung des Streifens mit dem Prüfsiegel "ab 18" für die deutschen Kinos frei. Allerdings gewinnt der Streifen gerade durch die Gewaltdarstellung an schrecklicher Authentizität, die zum einen beweist, dass Stallone noch lange nicht zum alten Eisen gehört und sich die Ungerechtigkeiten dieser Welt eben nicht nur hinter zensierten Nachrichtenbildern verstecken. Inhaltlich und optisch erinnert die etwa 30minütige Rettungsaktion jedenfalls stark an Teil zwei der Reihe, so dass sowohl alte, als auch neue Fans begeistert sein dürften. Lediglich seinen muskelbepackten Körper verbirgt Rambo dieses Mal dauerhaft unter einem T-Shirt.

Abschied
Wenn sich der Rauch der Mündungsfeuer schließlich legt und sich Berge von Leichen angehäuft haben, hat sich Rambos Mission dann endgültig erfüllt. Mit Tränen in den Augen lässt er seinen Blick über das Schlachtfeld schweifen und findet schließlich zu sich selbst. Stallone bringt Rambo nach Hause und schließt - wenn auch erst im hohen Alter - versöhnlich mit der Rolle ab. Im Grunde gelang ihm also ein ähnliches Meisterstück wie schon bei Rocky Balboa. Stallone schuf mit John Rambo einen fulminanten Action-Streifen, bei dem er aber ganz bewusst und überzeugend das menschliche Schicksal seines Alter Ego in den Mittelpunkt stellte und sich nicht scheute ruhige und nachdenkliche Momente einfließen zu lassen. Die Dialoge fielen karg, aber aussagekräftig aus. Rambo hat seinen Kampf ausgefochten und auch wenn die Inszenierung extrem drastisch ausfiel, näherte sich Stallone mit dem vierten Rambo-Streifen wieder näher an First Blood heran, als ihm viele Kritiker im Vorfeld vielleicht zugetraut hätten.

(Thomas Raab)

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United States of America
2006
Action, Drama, Thriller
Rambo
Kinostart: 14.02.2008
ca. 90 Minuten
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