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Harry Potter und der Orden des Phönix

Action:
Humor:
Spannung:
Erotik:
Anspruch:
Film-Wertung:

Filmkritik
12.07.2007 11:12 Uhr -
Für Harry (D. Radcliffe) brechen schwere Zeiten an. (© Harry Potter Publishing Rights © J.K.R. Harry Potter characters, names and related indicia are trademarks of and © 2007 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.) [Quelle: siehe Bildergalerie]
Es ist schwierig innerhalb der Kinogeschichte eine Filmreihe zu finden - wenn es überhaupt eine geben sollte -, der es auch im fünften Teil noch gelingt sich auf cineastischem Topniveau zu bewegen und immer noch Neues zu bieten hat. Seit mehr als sechs Jahren schreibt Harry Potter nun an seinem Kapitel in der Filmhistorie und da auch mit Teil Sechs und Sieben zwei weitere, große Streifen zu erwarten sind, wird die Reihe wohl als legendären Ausnahmeerscheinung in die Filmanalen eingehen.
Während die ersten beiden Streifen unter der Regie von Chris Columbus eher die zauberhafte Magie der von J. K. Rowling erschaffenen Welt in den Fokus rückten und wohl am ehesten als Kinder- oder Jungendfilme bezeichnet werden können, sorgte Alfonso Cuarón mit Der Gefangene von Askaban für einen wichtigen Bruch. Fortan besaß Harry Potter nämlich einen wesentlich düsteren, aber notwendigen Grundtenor und eine erwachsenere Inszenierung. Mike Newell besann sich in Der Feuerkelch schließlich auf die Thriller-Elemente, die die Reihe dann endgültig einem Publikum durch alle Altersschichten gerecht wurde. Wie die Filme entwickelten sich auch die Darsteller - nicht nur äußerlich - merklich weiter. Der inzwischen vierte Regisseur, David Yates, konnte von all diesen Entwicklungen nun eigentlich nur profitieren.

Kein (Schul-)Alltag
Die Qualität der Potter-Filme basiert zu einem großen Teil natürlich auf der außergewöhnlichen Leistung J. K. Rowlings, die mit ihrem Gespür für eine starke Story und ihrem Talent für Charakterentwicklung, traumhaftes Material für Drehbuchautoren liefert. Doch die Harry-Potter-Film-Familie profitiert auch ungemein von der Zusammenarbeit des immer gleichen Orchesters - zum dem auch der Cast gehört - dem von Jahr zu Jahr nur immer wieder einmal ein neuer Regie-Dirigent vorangestellt wird. Diese bringen dann die neuen Inputs mit, die jedem Film eine ganz eigene Note verleihen, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren.
David Yates durfte jetzt bei Der Orden des Phönix ran und eröffnet den Streifen gleich einmal mit einer absolut beeindruckenden Szene, die mit dem Stil großer Independent-Filme problemlos konkurrieren könnte. Mit fantastischen Einstellungen, die Harrys alljährliche Einsamkeit fern von Hogwarts, aber auch seine seelische Wehmütigkeit visuell verdeutlichen, inszenierte Yates mit Handkamera und mächtig Thrill gleich in den ersten Minuten den Angriff zweier Dementoren auf Harry und Cousin Dudley.
Da Harry in Notwehr unerlaubt Magie einsetzt, droht ihm der Verweis von Hogwarts. Doch Dumbledore, der inzwischen auch den Orden des Phönix, eine Vereinigung die schon einmal den Kampf gegen Voldemort aufgenommen hat, wieder ins Leben gerufen hat, kann das Zauberministerium von Harrys Unschuld überzeugen. Die Rückkehr des dunklen Lords wird jedoch weiterhin an höchsten Stellen und auch in Hogwarts bezweifelt und vertuscht. Dumbledore und vor allem Harry stehen als Spinner und Lügner da. Selbst in der Schule fühlt sich Harry daher zum ersten Mal so einsam wie noch nie. Nur Ron, Hermine, Neville, Ginny und die leicht verschrobene Luna Lovegood halten noch zu ihm. Zudem setzt das Ministerium Dolores Umbridge als Großinquisitorin in Hogwarts ein, um für Ordnung zu sorgen und die Schule zu intervenieren. Umbridge entpuppt sich schon bald als machthungrige Diktatorin, die auch vor Folter nicht zurückschreckt und schließlich Dumbledore aus dem Amt drängt. Den Grund dafür liefert ihr Harry, der auf Drängen seiner engsten Freunde "Dumbeldores Armee" ins Leben gerufen hat, um sich, aber auch die anderen, auf eine Konfrontation mit Voldemort vorzubereiten.

Ensemblestück
Der Orden des Phönix war bisher der längste Potter-Roman, der sich dadurch stellenweise etwas zäh und langatmig las. Yates konnte daher gar nicht anders, als Inhalte zu kürzen oder Außen vor zu lassen. Das hatte jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Filmumsetzung. Im Gegenteil, die Konzentration einzelner Plotstränge und das Abklären bestimmter Zusammenhänge mit einigen wenigen Szenen oder auch nur einem Dialog, straffte die Handlung und brachte Zug ohne Durchhänger in den Streifen.
Von Anfang an wird der fünfte Potter-Film hauptsächlich von den Charakteren getragen und vorangetrieben. Den schauspielerisch, aber auch persönlich gereiften Darsteller gelingt es ihren Figuren erneut neue Facetten und noch mehr charakterliche Tiefe zu verleihen. Besonders Hermine erweist sich dabei als wichtigste Stütze Harrys, die ihre Führungsqualitäten in ganzer Fülle zur Geltung bringt. Im Zusammenwirken mit "alten Hasen" wie Michael Gambon, Gary Oldman oder Ralph Fiennes, der als Voldemort zwar wenige, dafür aber umso überzeugendere Szenen hat, entstand ein großartiges Ensemblestück, das natürlich von perfekten Effekten, einer kleinen, aber gelungenen Prise Humor und einem manchmal trotz alledem noch kindlichem und federleichtem Charme vervollständigt wird. Und selbstverständlich darf auch Harrys erster Kuss nicht fehlen, der sich zärtlich-romantisch, aber nicht im Geringsten kitschig ins Gesamtgefüge des Films einpasst. Die Spannung kommt ebenfalls nicht zu kurz und ist im Grunde von der ersten Sekunde an spürbar. Die Schock- und Gruselelemente halten sich in Grenzen, was einen Kinoausflug mit der ganzen Familie (mit Kindern ab etwa 10 Jahren) ohne weiteres möglich machen sollte, wobei natürlich ein gewisses Maß an Vorkenntnissen der Reihe - sei es aus den Büchern oder den Filmen - vorauszusetzen ist.
Regisseur David Yates gelang es außerdem zukünftige Entwicklungen, die Kenner des sechsten Bandes entdecken sollten, geschickt anzudeuten, ohne sie plump in den Vordergrund zu spielen. In einer Art Rückblende wird auch eine andere Seite von Harrys Vater deutlich, die den Zauberlehrling noch mehr ins Zweifeln über seine Verbindung zu Voldemort bringen. Als Kritikpunkt könnte man anführen, dass der Tod einer Harry sehr nahestehenden Person, im Grunde etwas zu schnell und oberflächlich behandelt wurde.

Finale Furioso
Im Vorfeld wird man dafür aber mit einem furiosen Finale entschädigt, auf das sich die Geschehnisse im Verlauf des gesamten Streifens regelrecht zuspitzen. In einer Zaubereischlacht, die durchaus noch länger hätte ausfallen können und in einer solchen Form wohl noch nicht auf der Leinwand zu sehen war, setzen die Zauberschüler, aber auch die Mitglieder des Ordens des Phönix, ihre Fähigkeiten beeindruckend unter Beweis. Und trotz aller Härte und Brutalität besitzen diese Szenen auch eine außergewöhnliche Schönheit.
Man darf also gespannt sein, wie David Yates, der auch beim Halbblutprinz auf dem Regiestuhl platznimmt, seine Arbeit fortsetzen wird. Da Darsteller und Team unverändert bleiben und auch Rowlings sechster Roman ein ungeheures Potential für einen außergewöhnlichen Film hat, braucht sich aber wohl niemand Sorgen zu machen, dass die Harry-Potter-Reihe in irgendeiner Form nachlassen wird.

(Thomas Raab)

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