04.07.2007 12:53 Uhr -
Im schicken Lederschuber: Die Deluxe Edition des del Toro Fantasy-Horror-Dramas [Quelle: siehe Bildergalerie]
Die Hexe in Hänsel und Gretel mästet Kinder, um sie zu verspeißen, der Wolf verschlingt die Großmutter von Rotkäppchen, die böse Stiefmutter versetzt Dornröschen mit einer vergifteten Spindel in Tiefschlaf und Schneewittchen wird mit einem Apfel vergiftet. Märchen entpuppen sich häufig als wahre Schauergeschichten. Sie sollen Kindern Angst machen, damit diese sich mit ihrer Furcht auseinandersetzen. Regisseur Guillermo del Toro (Hellboy) geht noch einen Schritt weiter und meint, dass Horrorgeschichten die Stiefkinder der Märchen wären. Mit Pans Labyrinth verwirklichte er letztes Jahr seine Feststellung und schuf eine sehr erwachsene, brutale und finstere Märchenvariante.
Einblick ins LabyrinthDie DVD-Ausgabe dieses sehenswerten filmischen Kleinods bietet die Möglichkeit, noch genauer und noch tiefer in del Toros beziehungsweise Pans Labyrinth einzudringen. Die Einzel-DVD eignet sich dafür allerdings nur bedingt, da sie neben dem Film nur den Audiokommentar von Guillermo del Toro und ein Featurette zu bieten hat. Zwar erhält man auch bereits dadurch umfassende, weiterführende Infos zu und um den Streifen, aber wer wirklich Wert auf umfangreiche Zusatzmaterialen legt, kommt um die dreifach silberscheiben-bestückte Deluxe Edition im schicken Lederschuber nicht herum.
In unzähligen Features wird beispielsweise auf die Produktion, die Sets, die Musik oder die Figuren eingegangen. Allein die Verwandlung von Schauspieler Doug Jones in den Faun ist schon faszinierend. Das trifft aber auch auf die anderen genialen Extras zu, die in ihrer Fülle gar nicht detailliert im Rahmen dieses Reviews beschrieben werden können.
Minimalistisch, aber starkWeniger üppig, dafür aber unterschwellig furchterregend und atmosphärisch beeindruckend geht es auf der technischen Seite von Pans Labyrinth auf DVD zu. Der Sound besticht weniger durch Surroundhascherei als vielmehr durch seine minimalistische und dennoch außergewöhnliche Note. Selbst sekundenlanges Brummen aus dem Subwoofer als einziger hervorstechender Effekt erzeugt Gänsehaut. Die märchen- wie schauderhafte Score-Untermalung hält sich dezent im Hintergrund und nur hin und wieder erwacht die Heimkinoanlage bei größeren Gemetzeln aus ihrem - trotz aller Zurückhaltung - furchteinflößenden Dornröschenschlaf. In der Gesamtheit wirkt sich der sehr gezielte und wohldosierte Einsatz von Effekten, Umgebungsgeräuschen und Musik sehr positiv aus.
Auch beim Bild wurden bewusst Farbfilter und Weichzeichnungseffekte eingesetzt. Die Mischung aus Märchen, Fantasy- und Kriegsdrama, die schon filmisch ungewöhnlich erscheint, hinterließ auch visuell ein ungewohntes Seherlebnis. Ein fast schon märchenhaft-kitschiger Look wird durch den düsteren Kriegseinschlag, der gleichzeitig komikhafte Züge trägt, kontrastiert. Entstanden ist dabei ein "fabelhafter" Gothic-Look, der farblich sehr unterschiedlich daherkommt und im Schärfebereich wohl bewusst etwas verwaschen wirkt. Aber wie schon beim Sound kann auch hier die Ungewöhnlichkeit des visuellen Eindrucks punkten.
(Thomas Raab)